Sa, 18. August 2018

Rettung aus Fernost?

13.09.2011 18:25

Italiens Regierung klopft bei China um Finanzspritze an

Die akute Finanznot hat Italiens Regierung dazu veranlasst, in Fernost nach Verbündeten zu suchen. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti war nach Regierungsangaben bereits in der vergangenen Woche mit führenden Investmentvertretern Chinas zusammengekommen. Laut der britischen Ausgabe der "Financial Times" habe Italien dabei um den Ankauf von Staatsanleihen im großen Stil gebeten.

Konkret berichtete die "Financial Times" über zwei Treffen zwischen italienischen Regierungsvertretern und Abgesandten des staatlichen chinesischen Fonds China Investment Corp. (CIC), der einen Großteil von Chinas rund 3,2 Billionen Dollar schweren Devisenreserven verwaltet.

Staatsanleihen-Einkauf und Investitionen
Zum Inhalt der Gespräche machte das Finanzministerium in Rom zunächst keine Angaben. Gut unterrichteten Kreisen zufolge gehörten der chinesischen Delegation der Chef der CIC, Lou Jiwei, sowie für Investitionen und Rentenmärkte zuständige Regierungsvertreter an. Laut dem FT-Bericht wurde nicht nur über den Kauf von italienischen Staatsanleihen gesprochen, sondern auch über Investitionen in strategisch wichtige Unternehmen Italiens. Am Abend behauptete Staatssekretär Antonio Gentileum dann sogar, dass es ausschließlich industrielle Beteiligungen gegangen sei, keinesfalls etwa um den Kauf von Staatsanleihen.

Italien ist nach Griechenland innerhalb der Eurozone das Land mit der höchsten Staatsverschuldung. Im Zuge der Griechenland-Krise sinkt auch das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit Italiens. Mit zwei Sparprogrammen will Rom das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen. Die Regierung Berlusconi will am Mittwoch im Parlament die Vertrauensfrage in der Abgeordnetenkammer stellen, um die 54 Milliarden schweren Maßnahmen über die Bühne zu bringen.

Italien wurde seine am Dienstag auf dem freien Markt angebotenen Staatsanleihen zwar alle los - die Zinsen, die die Investoren dafür verlangten, stiegen aber auf Rekordhöhe. Der Zinssatz für Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren sprang von 4,93 auf 5,60 Prozent und damit so hoch wie noch nie seit Bestehen der Eurozone. Insgesamt verkaufte die Regierung neue Anleihen für fast 6,5 Milliarden Euro.

China als Euro-Retter?
China hatte schon im April signalisiert, verstärkt Schulden der unter Druck geratenen Euro-Länder aufkaufen zu wollen - unter anderem von Portugal und Griechenland. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Die Volksrepublik hatte aber angegeben, Milliarden in Euro-Staatsanleihen investiert zu haben.

Auch chinesische Politiker haben wiederholt ihre Unterstützung für die von der Schuldenkrise gebeutelte Währungsregion bekundet. Nicht zuletzt, weil schätzungsweise ein Viertel der chinesischen Währungsreserven in Euro-Anleihen investiert sind.

Rekordrenditen für frisches Geld
Trotz der nun bekannt gewordenen Pläne und der Unterstützung der Europäischen Zentralbank, die jüngst ihr umstrittenes Ankaufprogramm von Staatsanleihen forcierte, musste Italien am Dienstag für fünfjährige Staatspapiere im Gesamtvolumen von 3,86 Milliarden Euro die höchsten Zinsen seit Einführung des Euro zahlen: Die Rendite lag bei 5,6 Prozent. Die Auktion war 1,27-fach überzeichnet. Der Euro gab nach der Emission nach.

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