„Kühlen Kopf“ bewahren

Spionageballon über USA: China will jetzt „prüfen“

Ausland
03.02.2023 11:02

Das Erscheinen eines mutmaßlich chinesischen Spionageballons über den USA und Kanada führt zu diplomatischen Verstimmungen zwischen den Großmächten. Während das US-Pentagon vermutet, dass so Daten über die Lage von Atomwaffen gesammelt werden sollen, will man in China nichts von einer solchen Spionageaktion wissen.

Die chinesische Regierung ruft in der Causa um das Flugobjekt, das über dem Norden der USA gesichtet wurde, dazu auf, „kühlen Kopf“ zu bewahren. Man wolle dem Vorfall selbst nachgehen, erklärte Außenamtssprecherin Mao Nin in Peking: „Wir sammeln und überprüfen Fakten.“

„China ist ein verantwortungsvolles Land. Wir haben nicht die Absicht, den Luftraum anderer Länder zu verletzen“, wird sie weiter von CNN zitiert. Es sei dabei nicht hilfreich, zu spekulieren oder die Angelegenheit gar aufzubauschen, bevor die Fakten auf dem Tisch liegen.

Atomstandorte ausgekundschaftet?
In den USA jedoch scheint man sich schon sehr sicher zu sein: „Ziel des Ballons ist ganz klar Spionage und sein aktueller Weg führt ihn über sensible Stützpunkte“, erklärte etwa ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter am Freitag. Das Flugobjekt befindet sich nach wie vor über den Vereinigten Staaten und zog über den Luftwaffenstützpunkt Malmstrom, wo unter anderem Atomraketen gelagert werden.

Vorerst soll der Ballon jedoch nicht abgeschossen werden. Die Gefahr von dabei herunterfallenden Teilen sei schlicht zu groß, Menschen am Boden könnten gefährdet werden, so die Erklärung von Spitzenkräften des Militärs.

„Alle notwendigen Maßnahmen ergriffen“
Von wo der Ballon gestartet war, war nicht bekannt. Der Ballon sei zuvor über der größtenteils zu Alaska gehörenden Inselgruppe der Aleuten und dann über dem nördlich von Montana angrenzenden Kanada gesichtet worden, berichteten US-Medien. Er bewege sich in Richtung Südosten und werde sich möglicherweise noch mehrere Tage über den USA befinden.

Die Kanadier seien in Sicherheit, hieß es aus dem Verteidigungsministerium des US-Nachbarstaates. Mit den USA ergriffen kanadische Geheimdienste „alle notwendigen Maßnahmen“, um sensible Informationen vor ausländischen Geheimdiensten zu schützen. Kanada hatte zuvor von einem „möglichen zweiten Vorfall“ mit einem Ballon berichtet.

Spionage per Ballon

Spionageballons operieren in der Regel in einer Höhe von 24.000 bis 37.000 Metern, also weit oberhalb der Flughöhe des kommerziellen Luftverkehrs. Zu den Vorteilen von Ballons gegenüber Satelliten gehört die Möglichkeit, weite Gebiete aus geringerer Entfernung zu scannen und mehr Zeit über einem Zielgebiet zu verbringen. Im Gegensatz zu Satelliten, die Trägerraketen benötigen, die Hunderte von Millionen Dollar kosten, können Ballons kostengünstig gestartet werden.

„Kein Zweifel, dass Ballon aus China kommt“
„Wir haben keinen Zweifel, dass der Ballon aus China kommt“, hieß es weiter. Man habe bereits Maßnahmen ergriffen, um sich gegen das Sammeln von sensiblen Informationen zu schützen. Zugleich zeigte man sich jedoch sicher, „dass dieser Ballon aus Spionagesicht nur eingeschränkte Fähigkeiten hat“. Schon in der Vergangenheit habe es ähnliche Fälle gegeben, hieß es aus dem Pentagon, dieser Ballon halte sich aber ungewöhnlich lange über den USA auf.

China-Reise vor Absage?
Der Vorfall ereignete sich kurz vor dem China-Besuch von US-Außenminister Antony Blinken, der am Sonntag in Peking erwartet wird. Aus den Reihen der oppositionellen Republikaner gab es bereits Aufforderungen an Blinken, die Visite abzusagen. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy, sprach von einer „dreisten Missachtung der US-Souveränität“. US-Präsident Joe Biden dürfe zu dieser „destabilisierenden Aktion“ nicht schweigen, forderte er.

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