Sprache steht Kopf

Diese Auswirkungen haben genderneutrale Ausdrücke

Wissenschaft
20.01.2023 06:00

Die „Sprachpolizei“ hat erneut zugeschlagen: Statt Afroamerikaner heißt es jetzt „Schwarzer“ und aus den USA kommende Menschen sind keine Amerikaner, sondern Bürger der Vereinigten Staaten - zumindest wenn es nach der Elite-Uni Stanford aus Kalifornien geht. Diese sorgte jüngst mit ihrer „Harmful Language List“ (dt.: Liste verletzender Wörter) für so hohen Puls in der Bevölkerung, dass diese wieder zurückgezogen werden musste.

Die Nachbeben der Empörung sind noch zu spüren. Der nationale Stolz der „Americans“ leidet unter der Sensibilität der politischen Korrektheit. Auch in Österreich gibt es ähnliche sprachliche Leitfäden: Die Uni Wien unterrichtet Studierende, keine Studenten. Im Sozialbereich gilt seit Jahren die Vorgabe, das Wort „Behinderte“ durch „Menschen mit Behinderung“ zu ersetzen.

„Die Sprache ändert sich ständig“
Keiner ist vor der „Sprachpolizei“ auch in Österreich sicher. Debatten um die politische Korrektheit von altbackenen Begriffen und neumodischen Pronomen wie Xier und Xies verdrehen hierzulande allerlei Zungen. Übertriebene Sensibilität in der Gesellschaft oder Notwendigkeiten der neuen Zeit?

Zitat Icon

Die Sprache ändert sich ständig, sensible Sprache allein verändert aber nicht die Wirklichkeit.

Linguist Hannes Fellner

Laut Linguist Hannes Fellner von der Universität Wien (s. Interview re.) ist in der Sprachwissenschaft nur eines gewiss: „Die Sprache ändert sich ständig, sensible Sprache allein verändert aber nicht die Wirklichkeit.“

Ende des Genderwahnsinns nicht in Sicht
So sagt die junge Generation Tomate statt Paradeiser und „cringe“, wenn etwas peinlich ist. „Sprache reflektiert die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist aber nicht in der Lage, sie zu verändern“, bestätigt auch Sprachforscher Heinz-Dieter Pohl. Sprich: Auch wenn geschlechterspezifische Sprachgebräuche gut gemeint sind, sorgen sie nicht für Geschlechtergleichheit.

Ist ein Ende des Genderwahnsinns in Sicht? Vorerst wohl nicht. Experte Fellner betont: Als Vorbild sei die Sprache wichtig, um Veränderungen ins Rollen zu bringen. Binnen-I, Gendersternchen und Xiers bleiben vorerst - zumindest bis der nächste Trend im Ansturm ist.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele