Bei der WM in Katar

Weltmeister und Nummer eins gegen doppelten Fluch

WM 2022
09.11.2022 06:48

Platz eins in der FIFA-Weltrangliste bringt kein Glück: Denn erst einmal seit der Einführung 1992 kam beste Nation weiter als in das WM-Viertelfinale. Ebenso schwer hat es der amtierende Weltmeister: Seit 1962 konnte kein Land Titel verteidigen. Die letzten drei Weltmeister warn schon in der Vorrunde out ...

Seit August 1993 gibt es sie für die Männer, erst seit 2003 für die Damen. Seit ihrer Einführung ist die FIFA-Weltrangliste umstritten, wurde mehrfach reformiert. 2018 folgte die Abkehr von der Durchschnittsberechnung, seither basiert die Rangliste auf einer Variante des Elo-Systems, ähnlich dem Schach.

Österreich lag unter Marcel Koller einst auf Platz zehn, liegt derzeit auf Rang 34, als einzige der Top-20-Nationen fehlt Italien (6) in Katar. Aktuell in Führung: Brasilien vor Belgien und Argentinien. Und diese Reihenfolge sollte beim Rekord-Weltmeister die Alarmglocken schrillen lassen - denn Platz eins war noch nie ein gutes Omen:

  • 1994 startete Deutschland als Nummer eins, im Viertelfinale setzte es trotz eines Matthäus-Elfers ein 1:2 gegen Bulgarien samt Doppelschlag von Stoitschkow und Letschkow.
  • 1998 schaffte es Brasilien als Nummer eins bis ins Finale - 0:3 gegen Frankreich. Am Nachmittag des Endspiels hatte Superstar Ronaldo bei einem Anfall im Hotelzimmer seineZunge verschluckt.
  •  2002 musste Frankreich als Nummer eins nach der Vorrunde die Koffer packen - sieglos und ohne erzielten Treffer gegen Dänemark, Senegal und Uruguay.
  •  2006 schoss Frankreichs Thierry Henry die Nummer eins, Brasilien, im Viertelfinale (1:0) nach Hause.
  • 2010 ereilte Brasilien dasselbe Schicksal, 1:2 im Viertelfinale gegen die Niederlande (zweimal Sneijder).
  •  2014 erwischte es Spanien als Nummer eins in der Vorrunde - 1:5 gegen die Niederlande, 0:3 gegen Chile.
  • 2018 kam es für Deutschland als Nr. eins ebenso bitter - Aus als Gruppenletzter mit Schweden, Südkorea und Mexiko.

Übrigens: Platz 32 (2017) für die Niederlande ist die schlechteste Platzierung einer Nummer eins, Platz 71 (2007) für Belgien die schlechteste Platzierung einer späteren Nr. eins.

Und was macht Frankreich? Zumindest nicht den Fehler der letzten Titelverteidiger, die oft mit einer zu alten Mannschaft das Erreichte wiederholen wollten. Nur vier Mann (Giroud, Benzema, Griezmann, Ersatzgoalie Mandana) sind älter als 30 Jahre, der Hunger bei der Generation um Starstürmer Kylian Mbappé (23) ist nach wie vor riesig. Trotz einiger Verletzungen stehen die Karten besser als für die letzten drei Weltmeister:

  • 2010 war bei Italien Abwehrboss Canavaro 35, Trainer Lippi sorgte mit drei verschiedenen Systemen in den Gruppenspielen für Verunsicherung: Vorrunden-Aus.
  • 2014 waren die Hoffnungen bei Spanien nach zuvor drei Turniersiegen (zweimal EM, einmal WM) in Serie entsprechend groß - Teamchef Del Bosque setzte in Brasilien auf 16 (!) Weltmeister von 2010. Ohne Gier und Frische kam das Aus in der Vorrunde.
  • 2018 waren bei Deutschland etliche Routiniers außer Form, trotzdem blieb die „Blutauffrischung“ aus, dazu bestimmten Erdoğan-Fotos mit Özil statt des Teamspirits die Schlagzeilen - Aus in der Vorrunde.

So schlecht lief es nicht für alle Weltmeister, Argentinien (1990) und Brasilien (1998), das den WM-Kader mit Dani Alves, aber ohne Roberto Firmino bekanntgab, schrammten knapp an der Titelverteidigung vorbei.

Diesmal stehen die Chancen - auch dank der Offensive der Franzosen - gut, aber Achtung:2002 flog man als Titelverteidiger mit einem Tor und ohne Punkt raus - obwohl man mit drei Torschützenkönigen aus Topligen (Henry, Trezeguet, Cisse) angereist war.

 Kronen Zeitung
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