Pflegeheim-Skandal

Aufsicht: „Nicht nach links oder rechts geschaut“

Salzburg
04.11.2022 08:00

Der Pflege-Skandal im Senecura-Heim wurde zum Mahnmal. Auch in anderen Einrichtungen droht der Kollaps.

Schon vor einem Jahr sollen im Senecura-Heim in Lehen viel zu wenig Pflegekräfte gearbeitet haben – die Zuständigen haben monatelang nur zugesehen. Das erzählt eine ehemalige Mitarbeiterin der „Krone“. Sie hat im Juli vier Tage im Heim gearbeitet und danach Anzeige wegen der menschenunwürdigen Bedingungen erstattet (die „Krone“ hat berichtet). „Wenn eine Pflegekraft ausgefallen ist, war es nicht mehr möglich, alle Bewohner zu versorgen“, schildert die Pflegekraft ihre Erfahrungen. Neben ihrem Gang zur Polizei meldete sich die Pflegerin auch bei der Landesregierung. „Ich habe die Zustände geschildert, aber der Zuständige hat die Sache verharmlost und fast über meine Schilderungen gelächelt“, erzählt sie sichtlich mitgenommen. Zwar wurden dann – nach mehreren Beschwerden – die Kontrollen durch die Heimaufsicht verstärkt, wie viel das gebracht hat, ist jedoch zweifelhaft. „Bei den Dienstübergaben haben wir immer schon vorher gewusst, welche Bewohner und welche Zimmer heute kontrolliert werden“, sagt die Ex-Mitarbeiterin. „Nach links und rechts haben sie dabei nicht geschaut“, sagt sie.

In anderen Pflegeheimen soll die Lage ähnlich sein
 Das Senecura-Heim wurde nach Bekanntwerden der desaströsen Zustände schnell zu einem mahnenden Beispiel dafür, wohin der Pflegekräftemangel im Extremfall führen kann. „So etwas darf es in Salzburg nicht geben“, sagte damals Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Schwierig: In anderen Salzburger Pflegeheimen soll die Lage laut Insidern nicht viel besser sein. „Ich hatte lange Gespräche mit der Landesregierung. Und da wurde klar, dass die Lage in ganz Salzburg sehr schlimm ist und sie versuchen, den Pflegekräftemangel mit Leihpersonal auszugleichen“, erzählt sie.

Um den Personalmangel zu lindern, will Salzburg bis 2027 220 Millionen Euro in die Pflege investieren. Es geht um Ausbildung und bessere Vergütung. Trotzdem gibt es Probleme, deren sich die Landesregierung noch nicht angenommen hat. Bestes Beispiel: Ein gesetzlicher Pflegeschlüssel. Also eine Norm, wie viele Bewohner pro Pflegekraft betreut werden dürfen. In Oberösterreich oder in der Steiermark ist dieser schon längst Praxis – und stellt sicher, dass sich weder Mitarbeiter überarbeiten noch Bewohner vernachlässigt werden ...

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