Neue Erkenntnisse

Adeliges Baby starb wohl an „nobler Blässe“

Oberösterreich
02.11.2022 19:00

Neue Forschungen zu Hellmonsödter Mumie sorgen für spannende Erkenntnisse, wie der Adel früher lebte. Der junge Sohn des Grafen litt an Übergewicht und Rachitis. Er wurde nur wenige Monate alt.

Lange herrschte ein Rätsel um Alter und Identität einer Kindermumie aus der Starhemberg-Gruft in der Pfarrkirche Hellmonsödt. Mehrere Särge verstorbener Starhemberger sind dort zur letzten Ruhe gebettet – nur einer trug keinen Namen. Dank der Initiative eines lokalen Ehepaars glaubte man das Rätsel, um die Mumie bereits 2018 gelöst zu haben. Laut dem Ehepaar sollte es sich bei der Mumie um Gregor Starhemberg handeln, der im Jahr 1567 verstarb.

Deutsch-österreichisches Forscherteam
Laut einer aktuellen Studie - sie wurde von einem deutsch-österreichischen Forscherteam um Andreas Nerlich von der München Klinik Bogenhausen durchgeführt - soll es sich aber höchstwahrscheinlich doch um Reichard Wilhelm (1625 bis 1626) handeln. Mithilfe einer Radiokarbon-Datierung konnten die Forscher bestimmen, dass das Kind im 16. oder 17. Jahrhundert gelebt hatte. Die Analysen zeigten auch, dass das Kleinkind nur zehn bis 18 Monate alt wurde.

Überdurchschnittlich dick
Für die Forscher entscheidend war allerdings die Tatsache, dass die Gruft um 1600 renoviert und das Kind wahrscheinlich erst danach bestattet wurde. Deswegen könne es sich nicht um den kleinen Gregor oder auch nicht um Gundaker (1589) handeln. Der junge Reichard Wilhelm wurde in einem kostbaren Seidenmäntelchen mit Kapuze in dem schlichten Holzsarg bestattet. Pigmente in Haarfollikeln weisen auf dunkle Haare hin. Die Fachleute bemerkten auch, dass das Kind überdurchschnittlich dick war.

Lungenentzündung als Todesursache
Auch eine „noble Blässe“, die damals den Adel von der gebräunten, unter freiem Himmel arbeitenden Bevölkerung unterschied, konnte noch festgestellt werden. Doch dieser Sonnenentzug hatte für Reichard Wilhelm schwerwiegende Folgen. Er litt demnach an einem Vitamin-D-Mangel, der zu Rachitis führte. Und auch die Todesursache glaubt man geklärt zu haben. CT-Aufnahmen lieferten Hinweise auf eine Lungenentzündung. Jüngsten Erkenntnissen zufolge sind Kinder mit Rachitis viel anfälliger für Lungenentzündungen.

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