Neues Kinderlabor

Erwachsene trauen Augen, Kinder auch dem Körper

Salzburg
29.09.2022 21:00

Im kürzlich an der Universität Salzburg etablierten Kinderlabor „B hoch 3“ will die Biopsychologin Boukje Habets herausfinden, wie Babys, Kinder und Jugendliche durch Sinneseindrücke und speziell durch Berührungen die Welt verstehen lernen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich jüngere Kinder abhängig von ihren Erfahrungen zunächst auf unterschiedliche Sinnessysteme verlassen. Erst mit zunehmendem Alter setze sich der Sehsinn durch.

„Berühren, bewegen, begreifen“ - das ist der Forschungsschwerpunkt im Kinderlabor von Habets, das 2021 vom deutschen Bielefeld nach Salzburg gewandert ist. Durch Experimente wolle man hier erforschen, wie Kinder ihre Körper kennenlernen und Sinneseindrücke verarbeiten.

Im Labor beschäftigt sich die Wissenschafterin vor allem mit dem Tastsinn: „Das taktile System ist das erste, das sich entwickelt.“ Der Embryo fange schon früh an, sich reflexartig zu bewegen, und könne gegen Ende der Schwangerschaft schon gesteuerte Bewegungen ausführen. Bei der Geburt seien Babys daher „auf der Berührungsebene schon recht weit“, betonte Habets. „Der Tastsinn ist wie ein Baustein fürs Gehirn, auf dem alle anderen Erfahrungen aufbauen.“

Konkret versuchten die Forscher etwa herauszufinden, wie gut Kinder Berührungen auf der Haut wahrnehmen können. Die Probandinnen und Probanden sollten, teils mit, teils ohne Hinschauen, zeigen, wo genau eine Berührung stattgefunden hat. Weiters experimentierte Habets mit der „Gummihand-Illusion“, bei der eine Gummihand gleichzeitig mit der eigenen Hand gestreichelt wird und schon bald als zum Körper gehörig empfunden wird. Zwar sind weder die Forschungen in Deutschland noch die Daten aus den ersten Experimenten in Salzburg vollständig ausgewertet. Dennoch könne man schon Ergebnisse ableiten.

So würden sich etwa jüngere Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren bei der Bewältigung der Aufgaben nicht alle auf das gleiche Sinnessystem verlassen. Manche Kinder vertrauten eher auf das Körperwissen, während andere eher visuelle Informationen verwendeten, so die Psychologin. Nach einer Weile würden sich die Unterschiede langsam ausgleichen, bis die zehn- bis zwölfjährigen Kinder dann ähnlich weit entwickelt seien. Erwachsene würden sich nicht mehr so sehr auf Berührungen verlassen wie Kinder: „Wenn Informationen über mehrere Kanäle reinkommen, stuft das erwachsene Gehirn das Visuelle meist als zuverlässiger ein.“

„Unsere Forschung zeigt, dass die Entwicklung der Sinnessysteme sehr individuell geprägt ist. Vielleicht kommen wir alle ungefähr auf den gleichen Endpunkt, aber der Weg dorthin ist sehr von den eigenen Erfahrungen geprägt“, erläuterte Habets. Kinder, die etwa schon früher gehen könnten, bekämen schon frühzeitig visuelle 3D-Informationen und dadurch mehr visuellen Input.

Zu einer möglichen Anwendung äußerte sich Habets in einer Aussendung der Uni Salzburg folgendermaßen: „Solche Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung sind unter anderem wichtig, um Störungen in der kindlichen Entwicklung frühzeitig zu erkennen und damit besser umgehen zu können.“ In zukünftigen Projekten wolle man auch das taktile System von Neugeborenen und Frühchen untersuchen.

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