Bullen-Kolumne

So hat Salzburg den Titel auch nicht verdient

Salzburg
08.05.2024 10:28

Fußball-Meister FC Red Bull Salzburg hat nach der 0:2-Niederlage bei Rapid kaum noch Chancen auf die Bundesliga-Titelverteidigung. Zu viele Spieler verfolgen Eigeninteressen und tragen das Wappen des Vereins nicht im Herzen.

Wer dieser Mannschaft auf die Beine sieht, der spürt sofort, ...

... dass da ein eingeschworener Haufen auf dem Platz steht.
... dass jeder Spieler bereit ist, den Fehler eines Kollegen auszubessern.
... dass in jedem Zweikampf und Laufduell das letzte Hemd riskiert wird.
... dass in schwierigen Phasen Leader vorangehen und die Truppe pushen.
... dass die Protagonisten auf dem Grün den Ernst der Lage erkannt haben.
... dass der Wille, den Meistertitel zu holen, nicht größer sein könnte.

Diese Mannschaft ist der SK Sturm Graz.

Im Steirer-Derby gegen Hartberg spielten die „Blackies“ mehr als 80 Minuten in Unterzahl, trotzdem gelang es ihnen, ein wichtiges Körndl zu holen.

Wer Salzburg auf die Beine sieht, spürt indes, ...

... dass kein Team auf dem Rasen steht, sondern (zu) viele Einzelkämpfer.
... dass manche noch immer nicht kapiert haben, was auf dem Spiel steht.
... dass die Gier, auch in dieser Saison den Meistertitel an die Salzach zu holen, schlicht nicht groß genug ist.
... dass es manchen Protagonisten an Mentalität und Charakter fehlt.
... dass der eine oder andere mit dem Kopf bereits beim nächsten Klub ist.
... dass Spieler am Werk sind, die Salzburg nicht im Herzen tragen.

Viel gesät, wenig geerntet: Onur Cinel. (Bild: Tröster Andreas)
Viel gesät, wenig geerntet: Onur Cinel.

Die Bullen waren bestens informiert über den Patzer von Sturm Graz. Sie wussten, dass sie die Tür zum Meistertitel mit einem Sieg hätten auftreten können. Erschreckend: Sie klopften nicht einmal vorsichtig an.

„Wenn Jungs von ganz oben träumen, muss man hart dafür arbeiten“, erklärte Torhüter Timo Horn, der Stammgoalie Alexander Schlager vertrat und voraussichtlich auch in den verbleibenden zwei Saisonspielen am Sonntag in Hartberg sowie kommende Woche zuhause gegen den LASK beim kriselnden Serienmeister das Tor hüten wird.

Was der Deutsche damit meint: Viele Spieler träumen vom nächsten Karriereschritt, ohne in Salzburg nachhaltig beeindruckt zu haben. Einige Akteure ruhen sich offensichtlich auf ihrem unbestritten großen Talent aus und lassen den nötigen Siegeswillen vermissen.

Es sagt viel aus, wenn Kapitän Andreas Ulmer, der trotz Verletzung in Wien dabei war, gemeinsam mit Abwehrchef Strahinja Pavlovic derjenige war, der die Teamkollegen darauf aufmerksam machte, in die Kurve zu gehen, um sich bei den mitgereisten Fans für die Unterstützung zu bedanken.

Sportdirektor Bernhard Seonbuchner richtete nach der 0:2-Pleite bei Rapid ein paar eindringliche Worte an die Mannschaft. Ob sie fruchteten, muss angesichts der vergangenen Wochen stark bezweifelt werden.

Interimstrainer Onur Cinel ist indes – ganz salopp gesagt – ein armer Hund. Der 38-Jährige versuchte ein Zeichen zu setzen und verordnete Oumar Solet aufgrund von Disziplinlosigkeiten, schwachen Spielen und laschen Trainingsauftritten eine Zwangspause. Er gab Spielern eine Chance, die sich unter Vorgänger Gerhard Struber über zu wenig Einsatzzeit beschwert hatten. Genützt hat’s nichts.

Den Bullen droht die erste titellose Saison seit elf Jahren. So, wie die Mannschaft derzeit auftritt, hat sie den Meisterteller allerdings auch gar nicht verdient.

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