03.08.2022 17:00 |

Jederzeit einsetzbar

Gazprom hat baugleiches Ersatzteil schon auf Lager

In Deutschland wächst der Unmut über Russland im Streit um die für Nord Stream 1 gedachte Gasturbine. Nun legte Siemens-Vorstandschef Christian Bruch nach und bringt damit Russland in Erklärungsnot: Gazprom hätte in der betroffenen Gasverdichterstation bereits ein baugleiches Ersatzteil auf Lager, erklärte er am Mittwoch. Es gebe daher keinerlei Grund für eine Reduktion der Liefermengen Richtung Europa.

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Die nach wie vor in Deutschland festhängende Gasturbine bleibt ein Politikum auf höchster Ebene. Während Russland nach wie vor auf Zeit spielt und die Lieferung mutmaßlich bewusst verzögert, reißt im Westen so langsam der Geduldsfaden.

Ersatzteil „könnte man schon einbauen“
Eigentlich wäre die gewartete Turbine erst im September für den Wiedereinbau vorgesehen gewesen, erklärte Bruch bei einem Werksbesuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Mühlheim. An der Gasverdichterstation Portowaja gebe es jedoch noch ein baugleiches Ersatzteil, „was da ist, was man jetzt schon einbauen könnte“.

Dies mache Gazprom aber üblicherweise nur dann, wenn das nächste Ersatzteil schon wieder im Zulauf ist. „Aus unserer Sicht ist alles vorbereitet, was geht.“ Man versuche, das Gazprom auch tagtäglich klarzumachen. „Es gibt einen Dialog mit Gazprom nach wie vor, und es gibt nach wie vor noch die Klärung der Thematiken, was denn nun eigentlich fehlt und oder nicht.“

Ohne Turbinen fließt kein Gas
Mit den Turbinen werden Kompressoren angetrieben, die den für den Gastransport durch die Pipeline nötigen Druck aufbauen. Nach Bruchs Angaben stehen in Portowaja für beide Nord Stream 1-Stränge neben zwei kleineren Turbinen sechs große Turbinen. „Sie brauchen fünf von solchen Turbinen, damit 100 Prozent Leistung erzeugt wird. Davon läuft heute eine. Deswegen sind wir bei 20 Prozent.“ Aus technischer Sicht könne man nicht nachvollziehen, warum keine Betriebsbereitschaft da sein sollte.

Scholz: Turbine in Deutschland wartet nur auf Transport
Mit seinem Besuch in Mülheim wolle er die Debatte „entmystifizieren“, sagte Scholz. Er habe sich gedacht, es wäre vielleicht ganz sinnvoll, „wenn wir uns sie mal gemeinsam anschauen, damit man sieht, es gibt sie wirklich, sie steht hier, sie ist einsatzbereit“. „Und es ist übrigens in der Welt, in der wir heute leben, etwas ganz einfaches, sie zu transportieren. Es muss nur einer sagen: Bitte schickt sie los.“

Die Turbine sei nicht nur in perfektem Zustand, ihrer Nutzung stünden auch keinerlei Gas-Sanktionen entgegen. Man müsse sich angesichts des russischen Kriegs in der Ukraine aber bewusst sein, „dass es jederzeit irgendwelche vorgeschobenen, vorgebrachten Gründe geben kann, die dazu führen, dass irgendetwas nicht funktioniert“, sagte der Kanzler.

Russland hält an Ausreden fest
Seit Juni hat Russland die Gaslieferungen über Nord Stream 1 zurückgefahren. Der Energiekonzern Gazprom begründete dies mit der fehlenden Turbine. Sie sei wichtig, um den nötigen Druck zum Durchpumpen des Gases aufzubauen. Gazprom warf seinem Vertragspartner Siemens Energy wiederholt vor, nicht die nötigen Dokumente und Informationen zur Reparatur der Maschine übermittelt zu haben. Siemens Energy wies die Vorwürfe zurück.

Russland bekräftigte seine Sicht der Dinge am Mittwoch. Die Turbine sei zwar mittlerweile in Deutschland, aber Gazprom als Eigentümer fehlten weiter notwendige Papiere, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

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