Neuer Kontrollchef

Bald zieht ein „Ironman“ in Landesrechnungshof ein

Oberösterreich
07.07.2022 20:30

Es ist getan: Einstimmig hat Oberösterreichs Landtag in der letzten Sitzung vor den Ferien Rudolf Hoscher zum neuen Direktor des Landesrechnungshofes bestellt - mit Jänner 2023. Die Schuhe von Vorgänger Friedrich Pammer sind groß: Zehn Jahre war dieser ein strenger Kontrollchef mit teils brisanten und in der Politik öfters aneckenden Prüfberichten. Lesen Sie hier, wie der Nachfolger tickt.

„OÖ Krone“:Von der Privatwirtschaft, nämlich 15 Jahre bei der Wirtschaftsprüferkanzlei PwC in Wien, gehen Sie in die öffentliche Verwaltung in Linz. Da liegt mir die Frage auf der Zunge: Warum tun Sie sich denn das an?
Rudolf Hoschner:
Also,von Antun kann keine Rede sein! Ich freue mich auf jeden Fall auf diese Aufgabe. Ich war ja schon mal im öffentlichen Sektor tätig, im Bundesrechnungshof. Mich reizt einfach die Herausforderung, Dinge, die ich in der Privatwirtschaft gelernt habe, vielleicht auch dem öffentlichen Sektor und nun vor allem dem oö. Landesrechnungshof zugutekommen zu lassen. Ja, das war eigentlich die Motivation des Ganzen.

Welche guten „Dinge“ meinen Sie da ganz konkret?
Was natürlich sämtliche Institutionen, ob im öffentlichen oder im privaten Sektor treffen wird, sind die Fragen der Digitalisierung und damit verbunden die Fragen der Prüfmethoden. Etwa, wie kann ich Künstliche Intelligenz oder solche Dinge einsetzen, um Prüfprozesse zu beschleunigen? Wie kann ich mit großen Datenmengen umgehen? Wie schafft man damit den Mehrwert für den Landtag, aber auch für den Steuerzahler und die Steuerzahlerin?

Friedrich Pammer (LRH-Direktor bis Ende 2022) (Bild: © Harald Dostal / 2022)
Friedrich Pammer (LRH-Direktor bis Ende 2022)

Sie sind von Herzen gern Prüfer, haben Sie eingangs gesagt. Was sind Sie privat von Herzen gern?
(Lacht) Also, Urlauber! Aber wenn Sie mich so fragen, was mache ich privat gerne? Also bis vor kurzer Zeit war ich sehr, sehr viel sportlich unterwegs. Ich habe ja auch 7 Marathons absolviert. Und ich habe mal den Ironman gemacht in Kärnten (das war 2007). Laufen ist jetzt nicht mehr so meines, aber viel Radfahren, Mountainbiken, Rennradfahren, das tue ich gern.

Ziehen Sie nach Linz, wo Sie aufgewachsen sind?
Ja, sicher! Ich habe einen großen Freundeskreis in Linz, meine Eltern sind in Linz, meine Schwester ist in Haid, meine Tante ist in Gmunden. Ich weiß nur nicht, ob ich zur Mutter wieder zurückziehe (lacht), aber ich ziehe definitiv nach Linz.

Zurück zu Ihrer beruflichen Zukunft: Sehen Sie das als Vorteil, dass Sie nicht von vornherein Favorit bestimmter politischer Gruppierungen gewesen sind?
Ist das wirklich so? Also ich bin ja einstimmig gewählt worden, das ist das Wichtigste für den Start. Ich war bei den zwei Hearings, hab´ die Fragen beantwortet. Und wie dann die Entscheidungen vor sich gegangen sind, das weiß ich nicht.

Rudolf Hoscher im ersten Gespräch mit JournalistInnen (Bild: © Harald Dostal / 2022)
Rudolf Hoscher im ersten Gespräch mit JournalistInnen

Wie werden Sie damit umgehen, dass Sie einstimmig gekürt worden sind? Also von den Regierungsfraktionen genauso wie von den Oppositionsparteien. Das wird ja ein schwieriger Spagat, es allen recht zu machen . . .
Das ist ja gerade nicht die Aufgabe des Direktors des Landesrechnungshofes, es allen recht zu machen. Sondern die Funktion ist, ich sag jetzt mal, die des Aufsichtsorgans, das im Sinne der Steuerzahler unterschiedliche Dinge prüft und das dem Landtag darüber Rechenschaft ablegt.

Wissen Sie thematisch schon, wo Sie besonders genau hinschauen werden?
Nein, da kann man jetzt noch überhaupt nichts sagen. Das wäre zu früh.
(Anmerkung der Redaktion: Auch Fragen von Kollegen, was er denn als die größten Schwachstellen in der öffentlichen Verwaltung sehe und wie er denn die Performance der Landespolitik aus der Sicht von außen beurteile, möchte Hoscher nicht beantworten.)

Sie haben beruflich viel mit Förderungswesen und Förderungskontrolle zu tun gehabt, wo der Landesrechnungshof in Oberösterreich schon bisher spannende Prüfungsschwerpunkte gehabt hat. Ist das also eher etwas, wo Sie im Landesbereich verstärkt hinschauen werden können, weil Sie eben genau da eine spezielle berufliche Erfahrung haben?
Also ich meine, das wird jetzt eher risikobasiert ausgewählt, wo man genau hinschaut, und nicht so sehr vom persönlichen Interesse her. Ich glaube, ich habe eine Kompetenz im Förderwesen, aber das hat jetzt mit der Prüfungsplanung sicher nichts zu tun. Beim Bundesrechnungshof waren Kunst, Kultur und Medien mein Gebiet. Da haben wir mal das Linzer Landestheater geprüft. Den Bericht darüber gibt's sicher noch online.

Ah, Kultur als ein Schwerpunkt im Lebenslauf! Da muss ich Sie als jemand, der selber gerne Bücher liest, gleich fragen: Was interessiert Sie literarisch am meisten? Oder lesen Sie hauptsächlich Fachbücher über Controlling oder so?
Also nein, echt nicht. Zuletzt habe ich „Die Pest“ von Camus gelesen (wie viele in der Pandemie, Anm.). Aber grundsätzlich lese ich immer Bücher von Orten, wo ich hinreise.

Ah ja, der Urlauber
Also ich war vor kurzem in Portugal, da habe ich portugiesische Autoren gelesen, etwa „Die Stadt der Blinden“ von Jose Saramago. Von der Literatur daheim mag ich zum Beispiel Marlen Haushofer sehr.

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