Brisante Statistik

Nach Studium verlassen deutsche Jung-Ärzte Graz

Steiermark
01.07.2022 06:00

Gut und teuer ausgebildet, verlassen drei Viertel aller deutschen Medizinstudenten nach Abschluss ihres Studiums Österreich. Die Med Uni Graz will mit Maßnahmen gegensteuern.

Anders als etwa in Amerika oder England, wo man sich mit dem Besuch einer Uni oft bis ins hohe Alter verschuldet, ist das Studium in Österreich kostenlos. Die meisten Studierenden zahlen nur den ÖH-Beitrag in der Höhe von 20,70 Euro pro Semester.

Im Gegenzug kostet ein Medizinstudent der jeweiligen Hochschule (Graz, Wien oder Innsbruck) zwischen 54.576 und 63.066 Euro - und das jährlich. Summen, die größtenteils der Bund stemmen muss.

Medizin-Aufnahmetest in der Grazer Stadthalle (Bild: Sepp Pail)
Medizin-Aufnahmetest in der Grazer Stadthalle

70,5 Prozent der Deutschen waren bald weg
Umso schmerzlicher die jüngste Auswertung der Statistik Austria zu den Studierenden in Österreich: „Wir haben uns den Zeitraum von 2008/09 bis 2018/19 genauer angesehen, wobei ein Schwerpunkt auf den Medizinabsolventen in Österreich lag“, erklärt Felicitas Mandl, eine der Autorinnen.

Vor dem Hintergrund des akuten Ärztemangels in der Steiermark, aber auch in allen anderen Bundesländern, stach da vor allem ein Detail heraus: „Wenn man beispielsweise den Abschlussjahrgang 2016/17 an der Medizinischen Universität in Graz hernimmt, kann man sehen, dass innerhalb der ersten drei Jahre 70,5 Prozent der deutschen Absolventen ins Ausland verzogen sind“, sagt Mandl (siehe Grafik).

(Bild: Krone-kreativ)

Auch relativ viele Österreicher ziehen weg
Wohin die Deutschen gehen, hat die Statistik nicht erhoben; es ist aber davon auszugehen, dass es den Großteil wieder zurück in die Heimat zieht, wo bekanntlich bessere Arbeitsbedingungen samt attraktiveren Löhnen warten.

Von den österreichischen Absolventen verlassen acht Prozent das Land. Klingt nicht nach besonders viel - jedoch: „Bei genauerer Analyse fällt auf, dass die Mediziner im Vergleich zu anderen Studienrichtungen relativ häufig wegziehen“, so die Zusammenfassung.

Fakten

  • 75 Prozent der Studienplätze an Med-Unis sind für Personen mit österreichischem Maturazeugnis reserviert, weitere 20 Prozent für Studenten aus EU-Staaten. Die Durchschnittsstudiendauer liegt in Graz aktuell bei knapp sieben Jahren (13,7 Semester).
  • Zum aktuellen Aufnahmeverfahren 2022/23 in Graz: 346 Studienplätze in Humanmedizin und 24 in Zahnmedizin werden vergeben, für Ersteres haben sich 2494, für Zweiteres 156 Personen beworben.

Nur wenige eröffnen eine eigene Praxis
Darüber hinaus wenig erbaulich: Nur die allerwenigsten eröffnen nach Abschluss ihres Medizinstudiums eine eigene Praxis. „Fünf Jahre nach Fertigwerden liegt der Anteil an selbstständig Erwerbstätigen im untersuchten Zeitraum bei fünf Prozent, 95 Prozent befinden sich in einem Angestelltenverhältnis“, weiß Statistikerin Judith Zehetgruber.

Politik wird nicht aktiv
Gesundheitslandesrätin Juliana Bogner-Strauß (ÖVP) kommentiert die Zahlen nüchtern: „Die festgelegten Quoten gelten auch für österreichische Studierende in Deutschland. Daher wäre gut zu wissen, wie hier die Rückkehrquote ist, um entsprechende Schlüsse ziehen zu können. Generell liegt die Zuständigkeit dafür im Bildungsministerium.“

Hellmut Samonigg, Rektor der Medizinischen Universität Graz (Bild: Tomschi Peter)
Hellmut Samonigg, Rektor der Medizinischen Universität Graz

Med Uni will reagieren
Die Grazer Med Uni ortet da schon mehr Handlungsbedarf: „Neben dem erwartbaren Anteil an Absolventen, die zurück in ihr Herkunftsland gehen oder im Sinne der nationalen und EU-weiten Internationalisierungsbestrebungen in einem anderen Land tätig werden, gilt es, die Absolventen durch gezielte Maßnahmen anzusprechen und attraktive Rahmenbedingungen für eine Tätigkeit im Inland zu schaffen.“ Die Universität könne auch ihren Beitrag leisten, „indem Aktivitäten gesetzt werden, um den Studierenden berufsbezogen die Attraktivität des Standorts bzw. der Region zu vermitteln“.

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