16.05.2022 06:00 |

„Zutiefst korrupt“

Kronzeuge sucht Schutz in Wien: Krimi um Präsident

Ein wegen Morddrohungen in Österreich untergetauchter Aufdecker belastet Albaniens Staatschef schwer. Donald Trumps Amtseinführung spielt dabei auch eine wichtige Rolle.

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Tränen laufen über die Wange, die Hände zittern, die Stimme bebt und bricht. Die Angst, die ein Hinweisgeber vor den albanischen Behörden hat, ist bei einem Treffen mit der „Krone“ an einem geheimen Ort greifbar. Hintergrund: Der Whistleblower flüchtete wegen Anschuldigungen und aus Furcht vor einem Mordanschlag nach Österreich. Wo er nun Schutzstatus bekommen haben dürfte.

Könnten Albaniens Politlandschaft erschüttern
Was der Aufdecker im Beisein von renommierten Wiener Anwälten erzählt, lässt aufhorchen. Die Beweise könnten Albaniens Politlandschaft erschüttern und niemand Geringeren als den Präsidenten stürzen.

Ilir Meta (53) bekleidete in seiner Karriere zig Ämter. Er gründete die Partei „Sozialistische Bewegung für Integration“, bis 2017 hatte er den Vorsitz inne. Einige Jahre war er Parlamentspräsident, seit 2017 ist er Staatspräsident. Aus jener Zeit stammen Geldflüsse, die der Kronzeuge als „zutiefst korrupt“ bezeichnet.

Wer die Reise nach Washington bezahlte, ist unklar
Denn am 20. Jänner 2017 teilte Meta ein Foto von sich und einem Parteifreund bei der Amtseinführung Donald Trumps vor dem Kapitol in Washington. Um Zugang zu der Inauguration und Amtsträgern der Republikaner zu bekommen, soll fleißig Lobbying über eine zypriotische Briefkastenfirma betrieben worden sein. Kostenpunkt: 700.000 Dollar. Wer wirklich dafür aufkam, ist bis heute unklar. Meta selbst behauptet, er sei von den Republikanern eingeladen worden. Wie aus Dokumenten der US-Justiz hervorgeht, flossen die 700.000 von einem Meta nahestehenden Anwalt über die Offshore-Firma „Dorelita Limited“.

Wenige Wochen vor der Amtseinführung wurde ein Vertrag zwischen der Partei SMI und dem Juristen geschlossen, der die Teilnahme an der Inauguration vorsieht. Kurz darauf wurde auch Meta Präsident.

Daten & Fakten

  • Albanien grenzt an den Kosovo, an Montenegro, an Mazedonien und Griechenland.
  • Das Land verfügt über rund 2,9 Millionen Einwohner. Albanien ist Mitglied der UNO, NATO und seit 2014 auch EU-Beitrittskandidat.
  • In den letzten Jahren wurden zwar Fortschritte in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht gemacht. Dennoch gilt Albanien nach wie vor als eines der korruptesten und ärmsten Länder Europas.

Dubiose Schönheits-OPs für die First Lady
Da bezahltes Lobbying in seiner Position nur schwer zu verkaufen ist, wurde der Vertrag beendet. Nur, um gleich darauf einen neuen Kontrakt über die „Dorelita“, die keinerlei Geschäftstätigkeit aufweist, aufzusetzen. Auf deren dubioser Ausgabenliste: 50.000 Euro für Treffen mit US-Senatoren pro Monat, Abendessen, Reisen und mutmaßlich auch Schönheits-OPs der Frau Metas, Monika Kryemadhi, die ihres Zeichens den SMI-Parteivorsitz von ihrem Mann übernahm.

Die Anschuldigungen wiegen jedenfalls schwer, für das Polit-Pärchen gilt die Unschuldsvermutung.

 Kronen Zeitung
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