03.02.2005 09:14 |

Fußball-Skandal

Wettskandal weitet sich immer weiter aus

Sechs Vereine, zehn Spiele, 25 Personen - die Berliner Staatsanwaltschaft hat erstmals das ganze Ausmaß des deutschen Fußball-Wettskandals dokumentiert. Die Ermittler haben in einer Großrazzia Wohnungen und Büros von 19 Beschuldigten in zehn Bundesländern durchsucht und dabei "mit Erfolg Beweismittel gesichert". Insgesamt wird nach Angaben des Behörden-Sprechers Michael Grunwald gegen 25 Beschuldigte "wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges oder Beihilfe" ermittelt.
Der Geschäftsführende Präsidentdes Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, erklärtevor Fernsehkameras: "Das ist kein Sportfall, das ist ein Kriminalfall,ein Fall, der die gesamte Gesellschaft berührt." Er sei froh,dass die Berliner Staatsanwaltschaft konsequent und schnell durchgegriffenhabe.
 
Zwanziger bestätigte, dass der Verband Akteneinsichterhalten hat. Die Unterlagen würden von der "SonderkommissionWett- und Spielmanipulationen" ausgewertet und "unverzüglich"an den Kontrollausschuss weitergeleitet. Die Staatsanwaltschafthatte Aktenauskunft gewährt, damit "die beim DFB fürnotwendig erachteten Maßnahmen zur Sicherung des Spielbetriebsergriffen werden" könnten.
 
Manipulation quer durch alle Spielklassen
Die Beschuldigten sind verdächtig, zumindestzehn Spiele der 1., 2. und 3. Liga sowie im DFB-Pokal 2004 manipuliertzu haben. Unter Verdacht stehen neben dem geständigen BerlinerSchiedsrichter Robert Hoyzer laut Staatsanwaltschaft die DFB-SchiedsrichterJürgen Jansen, Felix Zwayer und Dominik Marks sowie ein Schiedsrichter-Betreuer.Außerdem beschuldigt werden 14 Spieler der Vereine LR Ahlen,Chemnitzer FC, Energie Cottbus, Dynamo Dresden, Kickers Offenbachund SC Paderborn sowie ein Spieler, der von Cottbus zu AlemanniaAachen transferiert wurde. "Die Tatvorwürfe gehen wesentlichauf geständige Aussagen und Angaben des ehemaligen DFB-SchiedsrichtersRobert Hoyzer zurück", heißt es in der Erklärungder Staatsanwaltschaft.
 
Nach eigenen Angaben, Informationen der Vereineoder Polizeimitteilungen wurden die Wohnungen von Maik Wagefeld(1. FC Nürnberg/ehemals Dresden), Tomislav Piplica (EnergieCottbus), Bruno Akrapovic (Kickers Offenbach), Laurentiu-AurelianReghecampf (Alemannia Aachen/ehemals Cottbus), Torsten Bittermann,Ignjac Kresic, Volker Oppitz, Thomas Neubert (alle Dresden) undRanisav Jovanovic (Mainz 05/ehemals Dresden) durchsucht. Vom Vereinsuspendiert ist Thijs Waterink (Paderborn). In Chemnitz habenSteffen Karl und Markus Ahlf Eidesstattliche Erklärungenabgegeben, dass sie nicht verwickelt sind.
 
Erste Verhaftungen
Bisher seien in dem Fall vier Festnahmen erfolgt,informierte Grundwald. Gegen drei Brüder, die am vergangenenFreitag in einem als Treffpunkt von Wettern bekannten BerlinerCafé festgenommen worden waren, sind später Haftbefehleerlassen worden. Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte,sind zwischen dem 28. Januar und 1. Februar bei den beschuldigtenBrüdern, die offenbar bisher noch nicht ausgesagt haben,nach einem Beschluss des Amtsgerichts Tiergarten deren Kontenund sonstige Vermögenswerte beschlagnahmt worden. Der Gesamtwertbeträgt etwa 2,44 Millionen Euro. Damit sollen späterRegressansprüche von Geschädigten befriedigt werdenkönnen. Nach Erkenntnis der Strafverfolgungsbehördesind Schäden in Millionenhöhe entstanden. "Noch sindRegressansprüche nicht bekannt", erklärte Grunwald.
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