Es ist ein durchaus interessantes Thema, das in Penelope Skinners „Linda“, der jüngsten Produktion des Grazer Schauspielhauses, auf die Bühne gebracht wird: das Unsichtbar-Werden von Frauen Mitte 50. Doch sowohl das Stück als auch die Inszenierung von Dominique Schnitzer verlieren sich etwas in der Belanglosigkeit.
Linda ist eine Powerfrau Mitte 50, die in ihrer Kosmetikfirma von jüngeren Ausgaben ihrer selbst bedrängt, von den Männern in ihrem Umfeld immer weniger wahrgenommen und von ihrem unscheinbaren Mann auch noch betrogen wird. Dazu kommen ihre zwei „vernachlässigten“ Töchter, die Jüngere auf der Suche nach ihrer Identität, die Ältere nach Mobbing in der Schule traumatisiert und auf der Suche nach Erlösung.
Kantenloses Gebrauchsstück
All diese Probleme packt Skinner in ihr kantenloses Gebrauchsstück, nimmt ihnen die Schärfe, degradiert sie zu Klischees. Dazu fällt auch Regisseur Schnitzer nicht viel ein. Er liefert in der stylish-glatten Ausstattung von Christin Treunert einen gediegenen Abend ohne Höhen und Tiefen ab.
Ensemble bringt Farbe in den Abend
Einzig das Ensemble bringt Farbe in den Abend. Beatrix Doderer bietet in der Titelrolle eine ganze Bandbreite an Emotionen, die selbstsichere Geschäftsfrau nimmt man ihr ebenso ab wie den Beinahe-Nervenzusammenbruch der Gescheiterten. Franz Solar als ihr Mann Neil gibt den jämmerlichen Waschlappen, der sich einmal als Rockstar fühlen kann, souverän.
Die traumatisierte Alice ist bei Daria von Loewenich bestens aufgehoben, Iman Tekle spielt ihre kleine Schwester in einer spannenden Mischung aus Unsicherheit und Selbstbewusstsein.
Rollenklischees
Das Karrierefrauen-Klischee erfüllt Sarah Sophia Mayer, auch Franz Xaver Zach überzeugt als die Personifikation des „alten, weißen Mannes“. Lukas Walcher als Büroaushilfe und Natalja Joselewitsch als Sängerin sind als jugendliche Trostpflaster in ihrem Element. Den richtigen Sound dazu liefern die Musiker Gerry Landschbauer und Bernhard Neumaier.
Ein Abend, der einen so unbeeindruckt wie unbelastet entlässt - obwohl die Figuren ausnahmslos scheitern. Das ist auch schon wieder eine Kunst.








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