Flucht aus Kiew

Zwei Tage ohne Essen, Trinken und Schlaf

„Ich bin um fünf Uhr in der Früh von Explosionen geweckt worden, da habe ich angefangen, meine Sachen zu packen.“ Der Amerikaner Blake Westman war zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs gerade in Kiew, wusste nicht, wo er hinsollte. Nach einer Woche Flucht ist er nun sicher bei seinem österreichischen Freund Werner.
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„Ich fühle mich schlecht gegenüber den Menschen, die noch in der Ukraine sind, die haben kein anderes Zuhause. Sie wollen ihre Heimat nicht verlassen“, denkt Blake Westman an seine vielen Bekannten in der Ukraine, mit denen er nach wie vor über soziale Medien in Kontakt ist. Seit 10. Februar war der Amerikaner in Kiew, wollte sich dort ein Geschäft aufbauen. Doch von einem Tag auf den anderen war alles anders.

„Wie in einem schlechten Film“
„Sirenen, Explosionen, Schüsse, es war wie in einem schlechten Film. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Eine Woche danach ist das ganze noch immer unreal“, schildert der 39-Jährige den Kriegsausbruch. In diesem Moment meldete sich der Paschinger Werner Wakolbinger – die beiden hatten sich 2016 ausgerechnet in Kiew kennengelernt – per Mail bei seinem alten Freund: „Ich wusste nicht, dass er in Kiew ist, aber ich hatte eine Vorahnung. Ich sagte ihm: ,Wenn du Hilfe brauchst, komm zu mir nach Österreich.‘“ Blake packte nur das Nötigste zusammen, machte sich mit einem Koffer und einer Tasche auf den Weg. Einen weiteren Koffer und Gewand ließ er im Appartement zurück.

Ganze Nacht gestanden
Dann war für vier Tage Funkstille. „Ich machte mir große Sorgen“, so Wakolbinger. Am Montag endlich die erlösende Nachricht: Ich bin jetzt in Polen. Doch die Flucht dorthin war alles andere als einfach. „An der Grenze nach Polen musste ich 36 Stunden warten. Die Grenzen waren zu, sie haben niemanden aus dem Land gelassen. Ich bin nur gestanden, der Boden war in der Nacht gefroren. Es war so kalt, und ich habe zwei Tage lang nichts gegessen und getrunken“, erinnert sich Blake an seine Reise.

Mit dem Zug ging es dann von Polen, über Wien nach Linz. Nach einer Woche Flucht lagen sich die Freunde am Freitag um kurz nach Mitternacht in den Armen. Das erste nach der Ankunft? „Viel essen, schlafen, duschen und neues Gewand.“

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