04.03.2022 11:00 |

Mitarbeiter beklagen:

Getrocknetes Blut und defekte Monitore im KH Nord

Pfleger am Limit, defekte Maschinen und Patienten, die Stunden auf ihre Operation warten - vor dem Saal. Eine Überlastungsanzeige aus der Klinik Floridsdorf in Wien zeigt ein erschreckendes Bild.

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Getrocknetes Blut, das von Instrumenten aus der Zentralsterilisation abbröckelt - was nach einem schlechten Horrorfilm klingt, ist in der Klinik Floridsdorf (ehemals Krankenhaus Nord) Realität. Das prangert das Pflegeteam einer OP-Gruppe in einer der „Krone“ vorliegenden Überlastungsanzeige (siehe Ausschnitte unten) an. In dieser wird eine Arbeitsüberlastung beklagt, aufgrund derer Fehler bei Prozessen sowie der Versorgung von Patienten drohe.

Probleme von Anfang an
Probleme gab es von Anfang an, wie in dem sechsseitigen Protokoll zu lesen ist. Ein Teil des neuen Teams hatte bis dato etwa noch nie zuvor bei Herzoperationen instrumentiert. Dies war nun aber nötig. Angebotene Schulungen seien nur mäßig erfolgreich gewesen. „Sie erhielten zur Vertiefung aber Unterlagen zum Einlesen zugeschickt. Klar ist, dass durch eine rein theoretische Vertiefung die Abläufe von Herzoperationen nicht trainiert werden können“, heißt es.


Defekte Monitore, kein Notfallknopf
Bevor der erste Patient im Juni 2019 kam, gab es eine dreitägige Einschulung. „Diese beschränkte sich aber auf das Haus, die Lage der Notausgänge - und hatte keine OP-relevanten Punkte zum Inhalt.“ Angesprochene Probleme wurden mit „In drei Wochen können eh alle alles“ abgehandelt. „Vor allem mit dem Pflegepersonal wurde von der Leitung extrem schlecht umgegangen“, erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter, der die Kritikpunkte in der Anzeige bestätigt. Zu wenig Personal in der Nacht, unkundige Beidienste, die falsche Materialien herrichten, defekte Monitore, ein fehlender Notfallknopf. Außerdem: Nüchterne Patienten harren oft stundenlang vor dem OP aus, um nicht dranzukommen.

Protokoll bereits von Februar 2020
„Das ist eine Steigerung des Risikos. Dagegen verwehren wir uns“, schreiben die Pflegekräfte. Besonders brisant: Die Gefährdungsanzeige wurde bereits im Februar 2020 verfasst - vor der Pandemie (!) -, bis heute habe sich laut ÖVP Wien wenig verbessert. „Das Chaos zieht sich in den laufenden Betrieb. Eine optimale Versorgung muss die Stadt sicherstellen“, findet VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec.

Laut dem Gesundheitsverbund hätte sich schon einiges getan: „Es gab zusätzliche Schulungen, der Herzalarm wurde adaptiert, und auch die Reinigungsarbeiten wurden verbessert“, betont eine Sprecherin.

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