27.01.2022 06:30 |

„Krone“-Interview

Hannes Androsch: „Ich beneide keinen Politiker“

Hannes Androsch (83), Wahl-Ausseer und Industrieller, erhielt am Mittwoch den Ehrenring des Landes. Der frühere SPÖ-Vizekanzler über sein Lebenswerk, seine Pläne als Unternehmer und die „Performance“ der SPÖ.

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„Krone“: Herr Doktor Androsch, was bedeuten Ihnen Auszeichnungen - und speziell diese Ehrung?
Hannes Androsch: Ich war nie ein Sammler von Ehrungen. Wie jeder Mensch Anerkennung schätzt, freue aber auch ich mich über diese - noch dazu so hohe - Auszeichnung. Ehrungen beziehen sich auf die Vergangenheit, aber sie sollen auch Ansporn sein für die Zukunft - gerade in einer Zeit, in der wir in Geiselhaft der Pandemie sind. Aus der Kraft der Vergangenheit sollen wir Mut schöpfen für einen Aufbruch zu neuen Ufern. Das heißt, es ist etwa an der Zeit, einen Modernisierungsschub einzuleiten.

Wenn Sie auf Ihr Lebenswerk zurückblicken: Was hätten Sie anders gemacht?
Das ist so wie mit Geschichte allgemein: Man soll sie versuchen zu verstehen, aber ändern kann man sie nicht. Was wäre gewesen, wenn? Diese Frage erspare ich mir. Man muss sowohl zu seinen Erfolgen als auch zu den Niederlagen stehen.

Welche Zeit hat Sie besonders geprägt?
Prägend waren der Krieg, die Nachkriegszeit mit zehn Jahren russischer Besatzung sogar im eigenen Siedlungshaus, und dann die späten 1950er- und 1960er-Jahre. In jungen Jahren so viele Gestaltungsmöglichkeiten bekommen zu haben, die das Finanzministerium und danach die Creditanstalt boten, das war toll. Keine Freude war natürlich der Konflikt mit Kreisky. Jedoch betrachte ich mein Lebenswerk noch nicht als abgeschlossen, auch wenn die Länge des Lebensweges mit jedem Tag kürzer wird.

Welche Aufgaben stehen dem Unternehmer Hannes Androsch noch bevor?
Für die AT&S errichten wir in Malaysia gerade einen neuen Standort mit 10.000 Beschäftigten. Dort wollen wir in drei Jahren den Umsatz von 1,5 auf 4,5 Milliarden Euro steigern. In Leoben kommen 700 Mitarbeiter dazu. Das sind schon gewaltige Aufgaben. Wir werden in den nächsten vier Jahren mit allen Firmen von rund 17.000 auf 30.000 Mitarbeiter wachsen.

In einer Zeit, in der Menschen gegen die Regierung auf die Straße gehen - wären Sie da noch gerne Vizekanzler?
Lassen Sie es mich so formulieren: Ich beneide niemanden, der jetzt in Entscheidungsverantwortung steht. Dass man in Österreich Verschiedenes besser machen hätte können und anders machen könnte, kann man ohnehin täglich hören.

Hat es Sie jemals gereut, kein politisches Amt mehr angenommen zu haben?
Nein. Es hat mir leidenschaftliche Freude bereitet, es gehabt zu haben. Weniger erfreulich war das Ausscheiden. Aber ich hatte dann auch große Freude an den Möglichkeiten in der Creditanstalt und mit den unternehmerischen Aktivitäten. Mich interessiert die Zukunft und nicht die Nabelbeschau der Vergangenheit!

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner ist Ärztin. Müsste sie nicht gerade jetzt in der Pandemie hervorstechen?
Fachlich tut sie das, aber sie findet insgesamt nicht den gewünschten Anklang und die Zustimmung. Denn sonst könnte es nicht sein, dass die ÖVP mehr als ein Drittel verliert, von 37 auf 25 Prozent, und die SPÖ aber nur von 21 auf 25 Prozent steigt. Das ist zwar ein bisschen erfreulich, aber völlig unbefriedigend.

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