Mi, 20. Juni 2018

Nach Weylandt-Tod

10.05.2011 19:36

Vierte Giro d'Italia-Etappe ohne Wertung gefahren

In Gedenken an den am Montag tödlich verunglückten Belgier Wouter Weylandt ist die vierte Etappe des Giro d'Italia am Dienstag in neutralisierter Fahrt zurückgelegt worden. Nach einer Schweigeminute vor dem Start legte auf dem nicht gewerteten 216 Kilometer langen Teilstück von Quarto dei Mille nach Livorno jedes Team zehn Kilometer an der Spitze des Feldes zurück. In Livorno rollten die acht verbliebenen Fahrer des Teams Leopard Trek mit dem Österreicher Thomas Rohregger in vorderster Front über den Zielstrich.

In die Trauerstimmung, die am Dienstag am Start überall zu spüren war, mischte sich auch Kritik. Radsport-Veranstaltungen würden mit immer mehr vermeintlichem Nervenkitzel gewürzt, kritisierten Aktive und die Presse in Spanien. "In den letzten Jahren gibt es die Tendenz, für immer mehr Spektakel zu sorgen. Vor 40 Jahren sind die Profis auf normalen Straßen gefahren und nicht wie wir in den Dolomiten über Schotterpisten. Ich habe nichts gegen schwere Etappen, aber die Sicherheit der Fahrer muss gewährleistet sein", sagte der Italiener Marco Pinotti, der Träger des ersten Rosa Trikots.

Dazu äußerte sich auch die spanische Zeitung "Sport" am Dienstag: "Der Radsport ist in der Hand von Veranstaltern, die möglichst spektakuläre Rennen anbieten wollen, damit die TV-Stationen live übertragen. Schmerz, Angst und extreme Leistung verkaufen sich gut. Für die Routen werden immer steilere Anstiege und gefährlichere Abfahrten ausgesucht." Weylandt sei das Opfer "einer brutalen Streckenführung" geworden, befand "El Mundo".

Pinotti: "Straße schwer beschädigt"
Allerdings gehörte der Unfallort Passo del Bocco nicht zu den gefährlichsten Abfahrten des Giro, der wie die Tour de France und Vuelta nach immer mehr "Extras" in der Streckenführung sucht. "Gestern sind 200 Fahrer mit vollem Tempo eine schmale Straße, die noch dazu durch den harten Winter erhebliche Schäden aufwies, hinuntergefahren. Das ist einfach ein großes Risiko", sagte Pinotti.

Der Teambus der Luxemburger Mannschaft Leopard Trek stand in Genua abseits und war mit einem Zaun vor Schaulustigen abgesperrt worden. Fahrer aus allen Rennställen kondolierten der Teamleitung. "Ich fuhr die Abfahrt im vierten Wagen hinter Weylandt", schilderte Pietro Algeri, Sportlicher Leiter bei Movistar, die tragischen Vorgänge vom Vortag. "Ich sah ihn durch die Luft fliegen. Ich dachte an einen normalen Sturz, wie er in unserem Sport häufig passiert. Dann sah ich ihn im Vorbeifahren in seinem schwarzen Trikot auf dem Asphalt liegen - sein Gesicht war voller Blut. Es war furchtbar."

Weylandt erlitt Schädelbruch
Der 26-jährige Weylandt hatte bei der Abfahrt vom Passo del Bocco etwa bei Tempo 75 mit dem Vorderrad eine Betonmauer touchiert, war mit dem Gesicht auf eine Mauer gestürzt und hatte sich dabei einen Schädelbruch zugezogen.

Das Szenario der neutralisierten Etappe glich am Dienstag der Situation nach dem Unfalltod des italienischen Olympiasiegers Fabio Casartelli bei der Tour de France 1995. Damals ließ das Fahrerfeld am folgenden Tag dem Casartelli-Team Motorola den Vortritt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Sportticker
Wechsel zur Konkurrenz
Sturm Graz verpflichtet Pink vom SV Mattersburg
Fußball National
Lukasz Fabianski
Arnautovic-Klub hat einen neuen Keeper
Fußball International
Neuseeland-Trainer
Andreas Heraf nach Mobbing-Vorwürfen suspendiert
Fußball International
Ära geht zu Ende
Jack Wilshere verlässt Arsenal nach 17 Jahren
Fußball International
„Schließe nichts aus“
Verzichtet Andy Murray auf Wimbledon?
Tennis

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.