24.01.2022 07:45 |

Aktion in Deutschland

125 Mitarbeiter der katholischen Kirche outen sich

In einer beispiellosen Aktion haben sich 125 Mitarbeiter der katholischen Kirche in Deutschland als queer geoutet und ein Ende ihrer Diskriminierung gefordert. Der Zugang zu Sakramenten und zu allen Berufsfeldern der Kirche dürfe ihnen nicht mehr vorenthalten werden. Außerdem sollen diffamierende Aussagen zu Geschlechtlichkeit und Sexualität aus der kirchlichen Lehre gestrichen werden. Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität dürften kein Kündigungsgrund mehr sein. 

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Die Initiative von Priestern, Gemeinde- und Pastoralreferenten, Religionslehrern und Mitarbeitern aus der kirchlichen Verwaltung, die nun die Öffentlichkeit gegen solchen Druck vonseiten der Kirche mobilisieren will, trägt den Namen „#OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst“. Das Netzwerk ruft alle LGBTIQ+-Personen, die haupt- oder ehrenamtlich für die katholische Kirche tätig sind, dazu auf, sich der Initiative anzuschließen. An die Bischöfe geht der Appell, öffentlich ihre Unterstützung für das Manifest zu erklären.

„Verrat am Evangelium“
In dem Manifest heißt es unter anderem, die abwertenden Aussagen der Kirche etwa zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen seien im Lichte wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht mehr haltbar und hinnehmbar. „Eine solche Diskriminierung ist ein Verrat am Evangelium.“ Die Kirche müsse vielmehr zum Ausdruck bringen, „dass LGBTIQ+-Personen ob alleine oder in Beziehung lebend, von Gott gesegnet sind“.

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Die Gemeindereferentin, die ihre Freundin heiraten will, verliert ihren Job.

Pfarrer Bernd Mönkebüscher

Im vergangenen März hatte der Vatikan noch einmal klargestellt, dass homosexuelle Partnerschaften nicht den Plänen Gottes entsprächen. Doch erhält die Initiative auch Unterstützung: „Die Gemeindereferentin, die ihre Freundin heiraten will, verliert ihren Job“, so etwa Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm, der 2021 bereits bundesweite Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare mit initiiert hatte.

Fakten

Als queer bezeichnen sich nicht-heterosexuelle Menschen beziehungsweise Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren. LGBTIQ steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Inter und Queer, das Pluszeichen steht für weitere Identitäten und Geschlechter.

Revision der kirchlichen Lehre „unbedingt notwendig“
Auch die Reformbewegung Maria 2.0 solidarisierte sich mit der Initiative. Eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts und eine Revision der kirchlichen Lehre seien „unbedingt notwendig, da die katholische Kirche mit ihrer diskriminierenden Haltung gegenüber queeren Menschen weltweit unverantwortlich im Sinne der Menschenrechte handelt“. Die Tatsache, dass man im Jahr 2022 in Deutschland noch Mut brauche, um sich zum Queersein zu bekennen, sei ein Skandal.

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