Biografien der NS-Zeit

Wie der Anzug eines Toten einst ein Leben rettete

Das Schicksal des Kremser Kriegsdienstverweigerers Rudolf Redlinghofer bewegt bis heute. Das Museum NÖ widmet sich im Haus der Geschichte mit einer Dauerausstellung einem der dunkelsten Kapitel in der österreichischen Vergangenheit. 15 Biografien erinnern in der Schau an die Zeit des Nationalsozialismus. Unter anderem zu sehen ist Redlinghofers berührender Abschiedsbrief, den er wenige Stunden vor seiner Hinrichtung an seine Familie geschrieben hat.
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Sein Leben erzählt lebendige Geschichte. Sein Anzug rettete ein Menschenleben. Rudolf Redlinghofer wurde am 11. Jänner 1940 von den Nationalsozialisten hingerichtet. Heute jährt sich sein Todestag zum 82. Mal. Das Leben des Kriegsdienstverweigerers aus Krems bewegt bis heute. Enkel Wolfgang Schranz hat alles bis ins Detail aufgearbeitet. Er selbst hat erst nach dem Tod seiner Großmutter nähere Einzelheiten erfahren. „Meine Mutter hat mir die berührende Geschichte erzählt“, hält Schranz im Gespräch mit der „Krone“ fest.

Dienst an Waffe verweigert
Rudolf Redlinghofer war Maurergeselle in Krems. Als „Bibelforscher“ (Zeuge Jehovas) blieb er seiner religiösen Überzeugung treu und verweigerte dem NS-Regime den Dienst an der Waffe. Daraufhin wurde er verhaftet und für zwei Monate in St. Pölten inhaftiert, bevor ihm in Berlin der Prozess vor dem Reichskriegsgericht gemacht wurde. "Um ihn unter Druck zu setzen, ließen die Wärter meine damals zweijährige Mutter und meine Großmutter im Hof der St. Pöltner Gestapo-Außenstelle vor ihm auf und ab laufen", erzählt der Enkel.

Am 11. Jänner 1940 enthauptet
"Damit wollten sie ihn brechen“, schildert Schranz. Doch Redlinghofer widersetzte sich weiter. Am 11. Jänner 1940 wurde der 39-Jährige in Berlin-Plötzensee enthauptet. Seine Frau Agnes und seine kleine Tochter Regina blieben alleine zurück. Im April 1945 flüchtete Glaubensbruder Peter Gölles bei der Kremser „Hasenjagd“ (Massenerschießung entlassener Häftlinge) in die Wohnung der Familie. „In einem Anzug meines Großvaters gelang Gölles die Flucht nach Wien. Das rettete ihm das Leben.“

Der Abschiedsbrief von Rudolf Redlinghofer, den er am Tag vor seiner Hinrichtung aus dem Gefängnis in Berlin-Plötzensee an seine Frau Agnes schrieb, ist im Haus der Geschichte im Museum NÖ in St. Pölten stellvertretend für hunderte Einzelschicksale ausgestellt. 

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