Di, 21. August 2018

Grüner Daumen

19.04.2011 11:02

So wird der Balkon zum Gemüsegarten

Ein süßer Cocktail-Paradeiser frisch von der Staude, ein knackiger Salat frisch zubereitet oder die ersten jungen Kartoffeln auf dem Teller: Keine Frage, selbst Geerntetes schmeckt einfach unvergleichlich gut. Die Freuden der Bio-Ernte für den Eigenbedarf sind aber nicht nur Gartenbesitzern vorbehalten. Selbst auf kleinsten Balkonen gedeiht Gemüse prächtig.

Man muss kein erfahrener Hobby-Gärtner sein und auch nicht über den berühmten „grünen Daumen“ verfügen, um aus seinem Balkon ein privates, gesundes Ernteparadies zu machen. Denn die gute Nachricht ist, dass viele der beliebten Gemüsesorten, vor allem alle Arten der sogenannten „Nachtschattengewächse“ (z.B. Paradeiser, Paprika, Salat, Gurken, Zucchini), praktisch wie von selbst wachsen. Fehler kann man so gut wie keine machen – außer die Pflanzen einfach nicht zu gießen. Paradeiser, Salat und Kartoffeln & Co aus der „Balkonien-Aufzucht“ schmecken übrigens nicht nur gut, viele Sorten sind zusätzlich dekorativ und eignen sich daher auch als „Balkonschmuck“.

Was alle brauchen
Gleich, ob großes Feld oder „Mini-Acker“ zuhause: Die Ansprüche sind so ziemlich gleich. Das heißt: Gute Erde, gute Düngung, gute Bewässerung und vor allem viel Sonnenlicht sind nötig, um schmackhafte Ernte-Feste zu feiern.

Auf südseitig ausgerichteten Balkone oder Terrassen gelingen alle Nachtschattengewächs-Pflanzungen also besonders einfach, während bei halbschattigen Lichtverhältnissen der Standort ein wenig sorgfältiger gewählt werden muss. „Bei Balkonen, die den ganzen Tag im Schatten liegen, raten wir eher von den gängigen Gemüsesorten ab. Ganz verzichten muss man aber auf frisches Gemüse auch dann nicht, irgendein sonniges Fensterplätzchen findet sich meist in jeder Wohnung“, so Gärtnermeister Michael Flaschberger.

Alle Pflanzen – so auch das Gemüse – brauchen ausreichend Erde und Platz, um gut wachsen zu können. Ein häufiger Fehler bei Eigenpflanzungen liegt in der zu knappen Bemessung des Pflanzabstandes. „Beim Gemüseanbau sind daher grundsätzlich runde Töpfe besser als (kleine) Blumenkisten. Die Töpfe sollten mindestens zehn Liter Erdvolumen fassen können. Wichtig ist auch, dass überschüssiges Wasser ungehindert ablaufen kann“, so Flaschberger.

Pflanzhit Cocktail-Paradeiser-Staude
Auch wer mit zuviel Gärtnern so gar nichts am Hut hat - bei den ebenso dekorativen wie ertragreichen Cocktail-Paradeiser-Stauden werden viele Balkonbesitzer schwach. Kein Wunder, denn die Stauden wachsen wie von selbst, und auch das Ernten ist einfach – immer beim Vorbeigehen einen kleinen Paradeiser pflücken und essen. Auch die sogenannten „Busch-Paradeiser“ werden immer beliebter. Diese Pflanzen bleiben kleiner (rund 50 bis 60 Zentimeter hoch) und verzweigen sich im Lauf des Wachstums ineinander.

Tipp: Viele heute gängige Paradeiserssorten wurden speziell für Balkonkästen gezüchtet. Trotzdem sollten auch Busch-Paradeiser mit kleinen Stäben abgestützt werden, damit sie bei stärkerem Wind nicht brechen. „Unserer Erfahrung nach sind die Busch-Paradeiser allerdings weit weniger ergiebig als die Cocktail-Paradeiser-Stauden. Zusätzlich punkten die Kleinen durch mehr Intensität und Süße im Geschmack“, so Flaschberger.

Beim Anbau selbst gibt es grundsätzlich zwei Methoden: Man sät selbst aus oder man kauft Jungpflanzen. Zwischen Ende März und Ende April ist die beste Zeit für das Säen. Das Ansäen selbst erfolgt meist im geschlossenen Raum, da das Saatgut gleichmäßige Temperaturen um die 20 Grad benötigt. „Wesentlich einfacher ist es, bei Gärtnereien Jungpflanzen zu kaufen, die sehr günstig, meist unter einem Euro, zu bekommen sind. Die kann man dann ab Mai gleich auf den Balkon stellen. Darüber hinaus erhält man dort auch eine Übersicht über alle gängigen Sorten und Geschmacksunterschiede“, rät Flaschberger.

Alle Nachtschattengewächse brauchen eine gut gedüngte Erde. Eine regelmäßige Düngung mit einem organischen Dünger fördert Wachstum und Ertrag. Die Erde sollte stets feucht sein, Staunässe muss allerdings vermieden werden.

Tipp: Im Frühsommer reicht meist zwei- bis dreimaliges Gießen pro Woche aus, in Hitzeperioden muss mitunter auch täglich gegossen werden.

„All diese Grundregeln gelten übrigens auch für Paprika, Zucchini, ja selbst für Zuckermelonen, die man relativ einfach auch selbst anbauen kann. Allerdings sind Paprika und Co von der Ernte meist bei weitem nicht so ergiebig wie Paradeiser“, erklärt Flaschberger.

Kartoffeln als neuer Pflanztrend
Sind die Paradeiser also auf heimischen Balkonen gut eingeführt, so galt der Kartoffel-Selbstanbau bis vor kurzem noch als Pflanzrarität. Das hat sich gründlich geändert, und so kann man heute gleich eigene (Bio-)Kartoffel-Pflanzsets in vielen verschiedenen Sorten bestellen.

Und im Grunde geht es auch ganz leicht: Wichtig ist ein ausreichend großer Pflanzkübel, am besten dunkel, da sich die Erde so am besten erwärmt. Achtung: An heißeren Tagen nicht in der prallen Sonne stehen lassen und bei eventuellen noch kalten Nächten den Kübel mit Flies schützen. Den Gefäßboden mit einer etwa 20 Zentimeter dicken Schicht aus guter Erde, Kompost bzw. einigen Hornspänen und eventuell auch etwas Sand bedecken. In einer Tiefe von ca. fünf Zenitmetern einige Pflanz- bzw. Mutter-Kartoffeln einlegen. Ausreichend Abstand zwischen den Pflanzkartoffeln einplanen!

Sobald die ersten Sprossspitzen aus der Erde wachsen, wieder eine Schicht Komposterde darüber geben, bis das Grün nicht mehr zu sehen ist. Diesen Vorgang so lange wiederholen, bis der Gefäßrand erreicht ist. Ab dann lässt man die Kartoffeln einfach wachsen. Reif sind die Kartoffeln dann, wenn das Laub gelb wird und anfängt zu welken.

Tipp: Besonders Kids macht Kartoffeln pflanzen viel Spaß, weil hier über einen längeren Zeitraum ein Pflanzprojekt betreut wird. Will es der Nachwuchs einfach mal ausprobieren, so reicht zur Not auch ein schwarzer Müllsack statt des Pflanzkübels, in dem man einige kleine Löcher zum Wasserabrinnen einschneidet. Praktisch sind auch die eigenen Kartoffel-Pflanzsäcke, da man sie nach der Ernte leicht wieder verstauen kann. Bei Kindern unbedingt darauf achten, dass das sprießende Grün nicht gegessen wird – giftig!

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