06.12.2021 06:55 |

Adventsgespräche

„Mich muss nicht die ganze Welt lieben“

Noch ist zwar nicht Weihnachten, trotzdem gibt es schon ein Geschenk für Fans von Schauspieler Stefan Pohl. Dessen neuester Film „Die Lederhosenaffäre“ wird am 15. Dezember im ORF ausgestrahlt.

Krone: Du startest mit Lederhosen in die Vorweihnachtszeit. Wie kam es dazu?

Stefan Pohl: Nun, gedreht haben wir den Film „Die Lederhosenaffäre“ schon vor über einem Jahr. Im Filmgeschäft dauert es eben ein wenig, bis das Baby dann wirklich da ist. Im Film geht es um die Streitfrage, wer die Lederhose, genauer die kurze Lederhose, erfunden hat. Gestritten wird zwischen Tirol und Bayern. Und inmitten dieses Streits darf ich einen jungen Anwalt spielen, der wider Willen in die ganze Sache hineingezogen und wie ein Spielball im Flipperautomat den äußeren Kräften ausgesetzt wird.

Krone: Und Du spielst einen Tiroler?

Stefan Pohl: Ja, einen Tiroler Jusstudenten kurz vor dem Abschluss, der versehentlich die Universitätsbibliothek abfackelt. Danach versteckt er sich als Konzipient in einer Anwaltskanzlei. Dann trifft er aber seine Jugendliebe, die mit einer Klage konfrontiert ist. Eine Klage wegen Lederhosen… So nehmen die Verwicklungen ihren Lauf. Der Tiroler Fast-Anwalt versucht, es allen recht zu machen, scheitert und wohnt noch bei der Mama.

Krone: Was wünscht Du Dir für Dein Leben? Sind es Hauptrollen wie diese?

Stefan Pohl: Natürlich ist es wirklich reizvoll und schmeichelhaft, Hauptrollen angeboten zu bekommen. Allerdings sind es nicht nur Hauptrollen, die einen beruflich oder persönlich weiterbringen, sondern auch interessante Nebenrollen. Finanziell macht es natürlich einen Unterschied, ob man an drei oder 23 Drehtagen involviert ist - und auch dem Renommee schadet es nicht, große Rollen gespielt zu haben. All die Promo-Termine mit den Fotografen und Journalisten sind aber coronabedingt ins Wasser gefallen, das ist natürlich bitter, für mich wäre das wichtig gewesen. Im schlimmsten Fall hat man eine Hauptrolle in einem tollen Film und keiner bekommt es wirklich mit. Aber ganz generell gilt, dass das Filmgeschäft extrem schnelllebig ist. Garantien gibt es sowieso für nichts.

Krone: Möchtest Du ein Publikumsliebling werden?

Stefan Pohl: Die Vorstellung ist natürlich schmeichelhaft, jeder will doch geliebt werden. Aber ob ich ein Publikumsliebling werden will? Wirklich wichtig ist es mir, dass mich mein Umfeld, meine Familie liebt, nicht unbedingt die ganze Welt.

Krone: In der „Lederhosenaffäre“ hast Du mit Größen wie Erwin Steinhauer gearbeitet, der ja tatsächlich ein Publikumsliebling ist. Bekommt man es da als noch nicht ganz so alter Hase auch mal mit der Angst zu tun am Set?

Stefan Pohl: Die Zusammenarbeit mit Erwin Steinhauer war einfach super, er ist auch ein wahnsinnig lieber Mensch und Kollege. Erst vor wenigen Tagen hat er mir per Whatsapp geschrieben, dass es ihm sehr gefallen hätte, was ich in der „Lederhosenaffäre“ gemacht habe. Komplimente von jemanden wie Erwin Steinhauer sind mir natürlich richtig viel wert. Aber ja, natürlich stellt sich ein wenig Respekt ein, wenn man anfangs erfährt, wer da alles noch so mitspielt. Man kennt die Leute ja auch oft nur von der Leinwand, vom Fernsehen. Allerdings: Die ganze Aufregung ist bei Persönlichkeiten wie Steinhauer oder auch Harald Krassnitzer nicht nötig. Die sind sehr freundlich und sehr kollegial. Da gibt es kein Wetteifern.

Krone: Hattest Du früher Vorbilder oder warst Du immer schon sehr autonom in Deiner Schauspieler-Werdung?

Stefan Pohl: Es gab früher tatsächlich ein Vorbild: Tom Hanks. Ich finde, dass er ein irre guter Schauspieler ist, der immer spannende Rollen gespielt hat. Auch Edward Norton hat mich fasziniert, etwa in „Twilight“. Es braucht aber keine Hollywood-Stars, um sich etwas abzuschauen. Das geht auch bei den oben schon Erwähnten. Da kann man enorm viel lernen.

Krone: Du als Schauspieler warst und bist von der Corona-Krise natürlich extrem betroffen. Was hat sie Dir gezeigt?

Stefan Pohl: Die Krise zeigt uns, dass wir als Gesellschaft noch nicht ganz funktionieren. Die Krise hat so viel Streit verursacht, von der anfänglichen Solidarität ist nichts mehr zu spüren. Wir scheitern an unserer Menschlichkeit. Die Menschen splittern sich in immer mehr unterschiedliche Lager auf und gehen sofort aufeinander los. Ich denke, es wird viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis die Gesellschaft diese Krise überwunden hat.

Krone: Du bist ja auch Familienvater, wie darf man sich das Weihnachtsfest in der Pohl-Position vorstellen?

Stefan Pohl: Ich komme aus einer Familie mit sechs Geschwistern. Bei uns war Weihnachten immer ein dreitägiges Fest mit allem Drum und Dran. Erst wurde mit der Kleinfamilie gefeiert, dann mit den Großeltern, dann mit den Freunden. Heuer werden wir es aber eher ruhig angehen, auch wegen Corona natürlich. Ich denke, wir lassen uns einfach einschneien.

Krone: Spielt bei Eurem Weihnachtsfest Religion noch eine Rolle?

Stefan Pohl: Sobald die Kerzen am Christbaum brennen, versuchen wir immerhin, zumindest ein Weihnachtslied in seiner Gänze über die Bühne zu bringen. Ist meine Mutter dabei, können es auch mehr werden, wir sind aber alle keine begnadeten Sänger. Dafür spielt meine Tochter auf ihrem Saxophon meist „Jingle Bells“, auch mein Sohn entlockt seiner Gitarre ein paar Töne.

Krone: Besucht Ihr am Heiligen Abend auch die Christmette?

Stefan Pohl: Als unsere Kinder noch beim Krippenspiel mitgemacht haben, waren wir natürlich immer dabei. Jetzt sind sie größer und wir treten diesen Weg nicht mehr an.

Krone: Bist Du ein gläubiger Mensch?

Stefan Pohl: Ich denke schon, dass es etwas gibt, das uns leitet, das uns Kraft gibt, das wir spüren. Das ist aber nichts, was wir unbedingt in der Kirche finden.

 Vorarlberg-Krone
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