01.12.2021 06:00 |

Bei Weihnachstfeier

Steirische Spitzenbeamte verhöhnen Umweltschützer

Nächster Aufreger um die steirische Landes-Umweltabteilung, gegen die es schwere Vorwürfe in Zusammenhang mit Umweltprüfungen gibt: Zwei Beamte machten sich bei einer Feier nicht nur über besorgte Bürger, sondern auch über NGOs lustig. Die „Krone“ hat die Videos. 

Kinder sollten keine Erde in den Mund nehmen, Anrainer kein Grundwasser zum Gießen verwenden und schon gar nicht trinken, Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Garten dürften keinesfalls verzehrt werden: Die Empfehlungen der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), die im Oktober 2018 an die Bewohner des Ortsteils Schrems in der steirischen Gemeinde Frohnleiten ergangen sind, hatten es in sich.

Und sorgten für große Verunsicherung in der Region: Auf dem 15.000 Quadratmeter großen Areal, auf dem heute Mehrparteien- und Einfamilienhäuser stehen, war früher eine Bergbauhalde. Dort wurden laut einem Gutachten erhöhte Schwermetall-Gehalte gemessen, vor allem eine sehr hohe Blei-Konzentration.

Statt Sahne gibt es Blei
Für die einen ist dieser Zwischenfall bis heute Grund zur Sorge, für die anderen offenbar der ideale Stoff für eine vermeintlich „heitere“ Party-Einlage in Form eines umgetexteten Udo-Jürgens-Schlagers („Aber bitte mit Sahne“): „Sie treffen sich täglich um viertel nach vier ... in Schrems bei Frohnleiten bei Essen und Bier ... als Top-Mahlzeit steht Gemüse ganz oben - aus dem eigenen Garten ausgehoben. Kartoffel und Gemüse allerlei: aber bitte mit Blei“, gab die Leiterin der Abteilung 13 (Umwelt und Raumordnung), Birgit Konecny, bei einer Firmen-Weihnachtsfeier vor versammelter Mannschaft ihre Version dieser Geschichte zum Besten. Auf der Gitarre begleitete sie ein Jurist der Landesabteilung.

Fakten

Gegen die Leiterin der Abteilung 13, Birgit Konecny, und den für UVP-Verfahren zuständigen Referenten Bernhard Strachwitz ermittelt zurzeit die Staatsanwaltschaft Graz. Die beiden Beamten sollen über Jahre Bauprojekte nicht rechtens genehmigt haben, ermittelt wird auch gegen einen Grazer Richter und die Leiterin eines steirischen Planungsbüros. Es steht der Verdacht des Amtsmissbrauchs sowie der Bestechung und der Bestechlichkeit im Raum, für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Alles nur eine „bsoffene Gschicht“, die spontan entstand? Davon kann keine Rede sein. Auf den Videos sieht man die vorbereiteten Texte und Noten.

Naturschützer als lästiges Nebengeräusch bei UVP
In einer anderen Gesangseinlage, basierend auf dem volkstümlichen Schlager „Sierra Madre“, zieht das Gesangsduo über NGOs (private Organisationen, die gesellschaftliche Interessen vertreten, aber nicht dem Staat unterstellt sind, etwa Greenpeace oder WWF) und den Naturschutz her. Seit diese durch die Aarhus-Konvention in Umweltangelegenheiten Zugang zu behördlichen Informationen haben, hätte man als Verhandlungsleiter in der Verwaltung gar „keine Ruhe“ mehr.

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