23.11.2021 11:00 |

Verborgenes Eis

Unter Herbstlaub lauert in Bergen tückische Gefahr

Während die Lawinengefahr derzeit meist - noch - keine Rolle spielt, lauert in schattseitigen Hängen in diesen Tagen eine besonders tückische Gefahr auf Wanderer: Unter dem Herbstlaub sind Steige und Wege vielfach eisig, das Risiko eines Absturzes ist groß. Die Bergrettung rät zur Mitnahme von Spikes oder Grödeln.

Solche Verhältnisse haben möglicherweise beim tödlichen Absturz der 61-jährigen Deutschen am Samstag im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol mitgespielt. Die Frau ist – wie berichtet – auf einem nicht offiziellen Steig in den Chiemgauer Alpen ins Rutschen gekommen und dann rund 200 Meter abgestürzt.

Zusätzlich zu den tückischen Verhältnissen dürften der Deutschen auch ihre Teleskopwanderstöcke zum Verhängnis geworden sein. „Einer der zwei Stöcke war zusammengeschoben, dieser unglückliche Umstand könnte den Unfall mitverursacht haben“, sagt Christoph Silberberger, Leiter der Alpinpolizei Kufstein.

Bei der Tourenplanung die Exposition beachten
Unabhängig von der tatsächlichen Unglücksursache gilt laut dem Experten derzeit die Devise, bei Wanderungen unbedingt feste Bergschuhe mit guter Sohle zu tragen und bei der Tourenplanung auf die Exposition der Route zu achten.

„Während die Wege südseitig in der Regel eis- und schneefrei sind, sieht es schattseitig schon komplett anders aus“, warnt Silberberger. Der gefrorene, eisige Boden bzw. eventuelle Schneeauflagen erweisen sich als heimtückisch und sorgen für Absturzgefahr.

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Die Dämmerung setzt am Nachmittag schon recht früh ein. Wer nicht aufpasst, gerät am Berg in die Dunkelheit.

Christoph Silberberger

„Darüber hinaus gilt es, unbedingt den Zeitfaktor zu berücksichtigen. Die Dämmerung setzt am Nachmittag schon recht früh ein. Wer nicht aufpasst, gerät am Berg in die Dunkelheit“, warnt Silberberger. Bekanntlich musste erst vor rund einer Woche die Bergrettung Tux einen holländischen Schneeschuhwanderer retten. Der saß – wie berichtet – bei Dunkelheit in rund 2500 Metern Höhe unterkühlt fest.

Zur Mitnahme von Snowspikes bzw. Grödel – eine Art Schneeketten für die Schuhe – rät Tirols Bergrettungschef Hermann Spiegl. Damit ließen sich heikle Passagen gut bewältigen.

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Das Laub verdeckt möglicherweise darunter befindliches Eis.

Bergrettungschef Hermann Spiegl

Heimtückisch seien vor allem Wegabschnitte mit viel Laub. „Das Laub verdeckt möglicherweise darunter befindliches Eis“, sagt Spiegl. Freilich gelte es, auch auf grasigem Untergrund aufzupassen. Spiegl: „Unter dem Gras kann der Boden ebenfalls eisig sein.“

Der für das Wochenende angekündigte Neuschnee entspannt die Situation nicht. „Eine dünne Neuschneedecke verdeckt eisigen Boden ähnlich wie das Laub.“ Im Zweifelsfall rät er jedenfalls zum Umkehren.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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