20.11.2021 08:42 |

ICU nicht zumutbar

Corona-Todesfälle: 53% sterben auf Normalstation

Seit Beginn der Pandemie sind in Österreich mehr als 11.900 Menschen an den Folgen einer Covid-Erkrankung gestorben. Die Mehrheit der verstorbenen Spitalspatienten ist dabei aber nicht auf der Intensivstation gestorben, sondern auf einer Normalstation. Das zeigen die neuesten Daten der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). Zudem hat das Forschungsinstitut berechnet, was mit dem am Freitag verkündeten Lockdown erreicht werden sollte: Die Zahl der Neuinfektionen müsste auf 2000 bis 3000 gedrückt werden.

Grund dafür, dass Covid-Patienten auf Normalstationen sterben, ist meistens, dass ihnen wegen ihrer körperlichen Verfassung - etwa aufgrund des Alters - eine Intensivbehandlung nicht mehr zumutbar ist. Zudem kann eine solche Behandlung durch eine Patientenverfügung abgelehnt werden.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der GÖG, weist im Gespräch mit dem Ö1-„Morgenjournal“ darauf hin, dass in der bisher stärksten zweiten Welle im Herbst 2020 „das Regime in der Aufnahme etwas selektiver wurde“. Es wurde also strenger als vorher darauf geachtet, wer wirklich ein Intensivbett benötigt. Damals lag die Zahl der Corona-Todesfälle in Österreich deutlich über dem EU-Schnitt, geht aus den Daten des Forschungsinstituts hervor. Aktuell warnen Mediziner gar vor Triage - einer Entscheidung über Leben und Tod

Experte: Zehn Prozent Intensiv-Auslastung schon sehr viel
Die kritische Auslastungsgrenze der Intensivstationen mit Covid-Patienten in Österreich ist derzeit mit 33 Prozent der Betten festgelegt - ein hoher Wert, erklärt Ostermann: „Mehr als zehn Prozent sollten es nicht werden, weil alles, was darüber hinausgeht, bereits auch das Normalprogramm beeinflusst und das Personal extremen Belastungen ausgesetzt ist.“
Selbst diese zehn Prozent seien schon sehr viel, betont Ostermann, „am besten wäre es, wenn sich diese Zahl noch weiter nach unten entwickeln würde“. Das soll jetzt durch den Lockdown erreicht werden.

Die Forscher der GÖG haben modelliert, dass das Gesundheitssystem maximal 10.000 Neuinfektionen pro Tag stemmen kann. Allerdings nur dann, wenn diese gleichmäßig über Österreich verteilt wären, was in der aktuellen vierten Welle nicht der Fall ist. Der Wert von 10.000 neuen Fällen wurde zudem mehrmals deutlich übertroffen. Zuletzt gab es mehr als 15.000  Neuinfektionen an einem Tag.

Die Folgen für das Gesundheitswesen sind bereits deutlich spürbar: besonders in Salzburg und Oberösterreich. Bei den Neuinfektionen und Hospitalisierungen gelte als Zielsetzung daher, „in nachhaltige Größenordnungen zu kommen“, so Ostermann. Er spricht von 2000 bis 3000 Neuinfektionen am Tag.

Impfung zu 93 Prozent wirksam
Einmal mehr zeigt sich: Die Impfung wirkt. Die GÖG hat die Daten zu Impfdurchbrüchen bei der Risikogruppe der Über-60-Jährigen ausgewertet. „Wir haben mit unseren Daten berechnet, dass die Impfung einen Schutz vor Hospitalisierung auf Intensivstationen von rund 93 Prozent aufweist“, so der GÖG-Geschäftsführer.

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