08.11.2021 07:14 |

Umsetzung erst 2023

Wien: Lueger-Denkmal bleibt - und wird umgestaltet

Was soll mit dem Lueger-Denkmal geschehen? Lange gab es keine Einigung, wie es mit der umstrittenen Statue für den früheren Wiener Bürgermeister und bekennenden Antisemiten weitergehen soll. Nun aber kommt Bewegung in die Sache: Es soll eine „künstlerische Kontextualisierung“ geben, die auch die Ambivalenz Luegers herausarbeiten soll. Ziel sei es, bezüglich eines anderen Umgangs mit dem Denkmal eine größere Debatte anzustoßen, anstatt eine konkrete Lösung zu präsentieren.

Das insgesamt 20 Meter hohe Denkmal mit einer vier Meter hohen Bronzefigur Luegers (1844-1910) am Stubentor wurde 1926 errichtet und sorgt seit Jahren für Debatten. Immer wieder wurde von Kritikern eine Umgestaltung oder gar Entfernung gefordert. Seit dem Vorjahr ist das umstrittene Bauwerk mit dem Wort „Schande“ besprüht.

„Leidvolle Geschichte nicht aus der Öffentlichkeit verbannen“
„Wir dürfen nicht alles, was uns stört, aus der Geschichte der Stadt - die auch eine schuldbeladene, eine leidvolle ist - aus der Öffentlichkeit räumen“, so Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ). Jene, die am anderen Ende des Meinungsspektrums stehen und somit eine konservative, erhaltende Position einnehmen, hätten zugleich verstanden: „Wir können nicht auf dem Ist-Zustand beharren.“ Es führe „nicht zum Ziel“, das Denkmal „einfach wegzuräumen“.

Denkmal erhält künstlerische Kontextualisierung
Als Conclusio geht die Kulturressortchefin in Absprache mit Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) nun den Weg der künstlerischen Kontextualisierung. Wie diese aussehen wird, ist noch völlig offen. Im Laufe des Jahres 2023 soll das Siegerprojekt jedenfalls von einer noch zu besetzenden „hochkarätigen“ Jury prämiert und danach mit der Umsetzung begonnen werden. Einen Kostenrahmen gibt es noch nicht. Die lange Vorlaufzeit ist unter anderem der Prüfung der technischen Voraussetzungen geschuldet: Das betrifft nicht nur etwa Fragen der Statik - unter dem Denkmalstandort verläuft die U-Bahn -, sondern vor allem, welche Art von Eingriffen im Einklang mit dem Denkmalschutz stehen.

„Schande“-Schriftzug bleibt
Bis es an die Umsetzung geht, ist für Kaup-Hasler eine Art künstlerische Zwischennutzung am Standort denkbar. Der „Schande“-Schriftzug wird im Übrigen vorerst weiterhin am Denkmal prangen - nicht zuletzt aus pragmatischen Gründen. Denn eine chemische Reinigung würde nur die ohnehin schon angegriffene Sockelsubstanz weiter beschädigen - und „ich habe auch keine Lust, Steuergeld zu verschwenden, dass wir es putzen, sanieren und zwei Tage später ist es wieder beschmiert“, so die Kulturstadträtin: „Deshalb würde ich sagen: Let it be!“

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