Mi, 22. August 2018

Horror-Rechnung

02.04.2011 11:57

Handy verband sich 120-mal in einer Minute mit Internet

"Wie soll ich das bezahlen?" - Handyrechnungen sind für viele Menschen Kostenfallen. "Mein neues Mobiltelefon hat sich in einer einzigen Minute 120-mal mit dem Internet verbunden, ohne dass ich auch nur eine Taste gedrückt hätte", berichtet Peter Lutz aus Imst über seinen jüngsten Rechnungshorror mit dem Smartphone.

Nur eines von Hunderten Beispielen der vergangenen Wochen, das zeigt, wie verärgert viele Handy-Kunden über scheinbar verrücktspielende Internet-Telefone oft sind. Die Leitungen in der "Krone"-Redaktion laufen heiß. Dabei sind sich eigentlich alle einig: So ein Internet-Handy ist schon etwas Praktisches. E-Mails verschicken, Freunden in der Mittagspause eine schnelle Nachricht über Facebook schicken oder online das Kinoprogramm für den Abend anschauen. Das ging früher alles nicht.

Bei den Kosten hält sich dann die Begeisterung aber rasch in Grenzen. Und das, obwohl Österreich im internationalen Vergleich eigentlich unschlagbare Preise und viele Produkt-Innovationen anbietet. "Wenn der Kunde das richtige Angebot auswählt und sich alle Seiten an gewisse Vereinbarungen halten, sollte dem kostengünstigen Surfen eigentlich gar nichts mehr im Wege stehen", erklärt ein Konsumentenschützer.

Gemeinsame Ziele der Branchenriesen
Und genau diese Vereinbarungen wurden jetzt getroffen. Und zwar nach heftigen Protesten und Tausenden Anrufen bei der Arbeiterkammer von allen heimischen Netzanbietern. Unter der Schirmherrschaft des Fachverbands der Telekommunikation in der Wirtschaftskammer in Wien haben sich die vier Branchenriesen A1 (Telekom Austria), T-Mobile - mit tele.ring - und Orange zusammengesetzt und auf eine Art "Ehrenkodex" für mehr Kostensicherheit im Umgang mit virtuellen Daten geeinigt.

Und so sehen die Pläne konkret aus: Alle Kunden sollen in Zukunft automatisch per SMS informiert werden, wenn das System eine 70- bis 80-prozentige Ausschöpfung des im Tarifpaket inkludierten Datenvolumens errechnet hat. Die nächste Warn-Kurzmitteilung folgt, wenn der Rahmen komplett ausgeschöpft wurde. Weiters soll der exakte und verbindungsgenaue Verbrauch für alle im Internet einfach und übersichtlich aufgelistet werden. Alternativ können Betreiber einen Service anbieten, bei dem beim Erreichen eines gewissen Wertes Alarm geschlagen wird.

Zusätzlich wollen alle Branchengrößen zumindest ein Tarifpaket anbieten, bei dem sich die Verbindungsgeschwindigkeit ins Netz automatisch drosselt, wenn die festgelegte Summe erreicht wird bzw. die Überschreitung der inkludierten Menge überhaupt nicht verrechnet wird. Zu guter Letzt wird es eine Benachrichtigungsfunktion vor jedem Wechsel in ein Roaming-Netz im Ausland geben.

Firmen appellieren an Selbstverantwortung
"Wir wollen unseren Kunden noch mehr Kostensicherheit im Umgang mit dem mobilen Internetzugang anbieten", sagt etwa A1-Sprecherin Mag. Livia Dandrea-Böhm. Neben all diesen Vereinbarungen wird von allen Seiten aber auch an die Selbstverantwortung der Kunden appelliert. Wenngleich es in der jüngsten Vergangenheit immer wieder haarsträubende Fälle von "Geister-Handys" gab – ein Vorarlberger Skilehrer sollte sogar 25.000 Euro berappen –, sind die Ursachen für die Kostenexplosion oft banal.

Etwa Kinder, die sich am Abend das Handy ihrer Eltern schnappen und Videos herunterladen, oder Vieltelefonierer, die einfach vergessen, dass sie längst die Staatsgrenze überschritten haben, und dann ein Vermögen zahlen.

von Gregor Brandl und Michael Pommer, Kronen Zeitung

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