27.10.2021 11:55 |

krone.at-Kolumne

Die gespaltene Gesellschaft

Spätestens seit der Ankündigung eines Lockdowns für Ungeimpfte ist klar, dass die Zeiten des Zusammenhalts und des „aufeinander Schauens“ vorbei sind. Die Botschaft, die die Regierung mit dieser Maßnahme aussendet, ist deutlich wie besorgniserregend. Ab jetzt sind wir eine gespaltene Gesellschaft.

Wie so oft ist das Ziel grundsätzlich ja ein logisches: Es ist für jeden nachvollziehbar, dass eine Überlastung der Intensivstationen in den Krankenhäusern verhindert werden muss. Aber bei allem Verständnis für die Ernsthaftigkeit der Situation: Die in der Vorwoche präsentierte Maßnahme, dass ab einer gewissen Bettenbelegung selektiv alle Ungeimpften in einen Lockdown geschickt werden, geht in eine falsche Richtung. Wurde denn gar nicht bedacht, dass unsere Gesellschaft damit in eine handfeste Spaltung schlittert?

Ungeimpfte werden sich einkapseln
Ja, es mag ja sein, dass der partielle Lockdown noch den einen oder anderen Impfmuffel zum „Jaukerl“ bewegen kann. Damit hätte im Idealfall der „sanfte Druck“ in Form von drohenden Einschränkungen seine Absicht erreicht. Das werden aber realistisch gesehen nicht allzu viele sein. Vielmehr ist aber zu befürchten, dass dadurch jene, die bis heute skeptisch sind, sich nur weiter in ihrer Angst einkapseln werden. Das Problem daran: Sie sind dann für niemanden mehr zugänglich. Schon gar nicht für weitere Überzeugungsmaßnahmen.

Lockdown-Drohgebärden werden keinen überzeugen
Denn einer, der selbst eineinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie noch nicht vom Nutzen, der Unbedenklichkeit und gesamtgesellschaftlichen Notwendigkeit der Impfung überzeugt werden konnte, wird sich auch angesichts der Lockdown-Drohgebärden von Mückstein, Schallenberg und Co. nicht beeindrucken lassen. Die Impf-Skepsis ist nämlich auch eine Politiker-Skepsis. Da muss eher an der Vertrauensbasis gearbeitet werden.

Bundespräsident muss Rede eher an Politiker-Kollegen richten
Wenn also am Nationalfeiertag Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit salbungsvollen Worten ausrückt, um für die Überwindung der durch die Pandemie entstandenen Gräben zu plädieren, ist das ja ganz nett. Er müsste diese Worte aber vor allem an unsere Politiker richten. Der Vertrauensschaden, der in den letzten Wochen angerichtet wurde, wird nur mit Mühe zu sanieren sein. Das ist aber wichtig. Denn mit dem Vertrauen kommt auch die Impfbereitschaft.

Es ist unseren Politikern alles zuzutrauen
Das kann freilich Jahre dauern. Diese Zeit haben wir nicht, um die Pandemie zu bekämpfen. Vielleicht wissen das ja auch unsere Verantwortungsträger und sie setzen deswegen auf den Schnellschuss „Lockdown für Ungeimpfte“? Es ist ihnen ja mittlerweile alles zuzutrauen.

Katia Wagner
Katia Wagner
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Freitag, 03. Dezember 2021
Wetter Symbol
(Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)