21.10.2021 06:00 |

Oft ungeliebtes Fach

Mathematik vermiest vielen den ganzen Schultag

Mathematik ist nach wie vor ein oftmals ungeliebtes Fach in der Schule. Die Corona-Krise hat die Situation nicht verbessert. Experten geben für „Krone“ einen Einblick, wie man „das“ Schreckgespenst vieler Schülerinnen und Schüler wieder loswerden kann.

Viele Eltern erinnern sich ungern an das Schulfach Mathematik – und leiden mit, wenn sich heute ihre Kinder damit quälen. Das ist häufig der Fall, zeigt eine LernQuadrat-Umfrage unter 635 Schülern: „Wenn Mathe auf dem Stundenplan steht, freut mich der ganze Schultag nicht“, sagen 33 Prozent.

„Wir beobachten seit 25 Jahren, dass Mathematik das Problemfach Nr. 1 ist“, so Lernquadrat-Sprecherin Angela Schmidt – allein: Es geschieht nichts dagegen.

Mathe ist „das“ Schreckgespenst
Dabei zeigt schon die Umfrage, für wie viele Mathe „das“ Schreckgespenst in der Schule ist: Jeder Dritte kommt im Unterricht kaum mit, 55,1 Prozent fürchten sich vor Schularbeiten und Prüfungen – was heißt: Er muss sich dann daheim entsprechend länger mit Hausübungen quälen, die er nicht versteht, und sich zusätzlich noch Hilfe holen, hat Angst vor den Prüfungen, was wiederum dazu führt, dass Gelerntes nicht gut abrufbar ist – und der Teufelskreis beginnt.

Ja, da geht die Freude verloren. „Und wir kennen ja alle dieses Bauchweh bei den Kindern: Viele wollen aus Angst vor dem Fach gar nicht mehr in die Schule gehen“, so Schmidt.

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Nicht mitzukommen in der Stunde ist das Schlimmste. Man sitzt sie ab, das ist vergeudete Lebenszeit. Und muss dann noch zur Nachhilfe.

Claudius Halik, Büro Halik

Entsprechend fallen auch die Noten für Mathe-Lehrer aus: Vier von zehn Schülern benoten sie mit „Genügend“ oder „Nicht genügend“. Jeder Dritte findet den Unterricht langweilig.

Geschwister und Eltern nur selten um Unterstützung gebeten
Hilfe suchen sich die Kinder bei Freunden und Schulkollegen (59 Prozent), bei Nachhilfelehrern (50 Prozent) und im Internet (40 Prozent). Schmidt: „Nur 22,8 Prozent fragen noch einmal beim eigenen Lehrer nach.“ Weniger um Unterstützung gebeten werden nur Eltern (18,6 Prozent) und Geschwister (14 Prozent).

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Wenn die Angst vor Mathe groß und der Wissensstand niedrig ist, kann man bei Prüfungen auch sein Wissen nicht entsprechend abrufen.

Angela Schmidt, LernQuadrat-Sprecherin

Lage in der Pandemie verschärft
Die Schüler lernen großteils nur für Prüfungen oder Schularbeiten statt laufend: nicht gerade von Vorteil angesichts dessen, dass der Stoff aufbauend ist. In der Pandemie hat sich die Lage für viele verschärft: Bei 37 Prozent haben sich die Noten verschlechtert – wobei immerhin bei 19 Prozent auch verbessert.

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Es gibt bei vielen Schülern die Tendenz, sich berieseln zu lassen. Wichtig ist aber auch in der Mathematik, sich aktiv damit auseinander- zusetzen.

Peter Mischek, Lern- Quadrat-Institutsinhaber

Übrigens glaubt nicht einmal jeder Fünfte, dass er Mathe später im Leben noch einmal brauchen wird

Was es für eine Besserung braucht
„Wir würden uns wünschen, dass sich ein Expertengremium zusammensetzt und das Schulfach überdenkt“, so Schmidt – damit auch wirklich alle Kinder gut beim Stoff mitkommen können.

So versteht man Mathe besser

  • Werde „handgreiflich“: Verwende z. B. Gegenstände, um Mengen darzustellen oder Volumen begreifbar zu machen.
  • Mathematik ist überall! Nutze Gegenstände und Probleme aus dem Alltag als Beispiele, etwa deine Handyrechnung.
  • Vielfalt macht munter: Setze verschiedene Methoden und Sinne ein, lerne multimedial, z. B. Computerspiele und -animationen - oder merkst du dir Formeln singend leichter?
  • Das richtige Werkzeug verwenden, etwa „Geogebra“, eine kostenlose Software für Schüler.
  • Hirn einschalten! Lass dir nicht alles vorkauen - kommst du z. B. selbst zu einer Erklärung?
  • Vorbild „Roboter“: Automatisiere grundlegende Fertigkeiten wie etwa das 1 x 1 - übe, bis du es im Schlaf kannst!
  • Vokabel lernen ist auch in Mathe wichtig: Begriffe, Formeln auswendig zu können hilft, Wissen rasch abrufen zu können.
  • Rechtzeitig und kontinuierlich lernen - nicht erst zwei Tage vor der Schularbeit bzw. Prüfung. Dann geht alles leichter.
  • Auch Mathe-Lehrer sind nur Menschen: Worauf legt deiner Wert, z. B. eine bestimmte Schriftart, dass Nebenrechnungen vorhanden sind, Pünktlichkeit? Beachte auch solche Dinge, um positiv aufzufallen.
  • Versuche, die Angst loszuwerden, die behindert dich nur. Dabei hilft z. B. gute Vorbereitung, regelmäßiges Lernen. Und: Feiere deine Erfolge!
Silvia Schober
Silvia Schober
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