19.10.2021 07:16 |

Therapie-Entwicklung

Gene könnten natürliche Immunität bedingen

Das weltweit größte Covid-Forschungskonsortium namens „COVID human genetic effort“ (COVIDhge) ist Genen auf der Spur, die eine natürliche Immunität gegen den gefährlichen Erreger SARS-CoV-2 bedingen könnten. Seine Forscher zielen auf die Entwicklung einer Therapie zur Behandlung Covid-19-Infizierter ab: „Es geht darum, jetzt Therapien für die Zukunft zu entwickeln“.

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Der Tiroler Lungenfacharzt Ivan Tancevski ist Teil des Verbundes und führt auch an der MedUni Innsbruck eigene Studien dazu durch. „Genetische Veranlagungen können einen gewissen Schutz vor Infektionskrankheiten hervorrufen“, erklärt Tancevski, der an der Universitätsklinik für Innere Medizin II tätig ist. So schütze etwa eine Mutation in der Struktur von roten Blutkörperchen - die zur sogenannten Sichelzellenanämie führt - vor Malaria Tropica, der schwerwiegendsten Form von Malaria. Eine genetisch bedingte Resistenz wurde auch bei HIV gefunden. Hier wurde bereits eine Therapie entwickelt.

Blutgruppe 0 schützt nur in „geringem Ausmaß“
Im Zusammenhang mit Covid-19 sei immer wieder die vermeintliche Resistenz von Personen mit Blutgruppe 0 diskutiert worden - 40 Prozent der Bevölkerung zählen zu dieser Gruppe, so der Wissenschafter. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass jene lediglich in einem geringen Ausmaß vor einer Covid-Infektion geschützt seien.

Des Weiteren stehe das Enzym ACE2 in der Membran von Körperzellen immer wieder im Fokus der Forscher - denn das Coronavirus SARS-CoV-2 nutzt es zum Andocken an die menschliche Zelle. Das Forschungskonsortium habe natürlich auch mutierte Varianten dieses Enzyms im Visier, zitiert er.

Um davon mögliche Therapieansätze abzuleiten, würden weltweit Haushalte gesucht, in denen eine Person nachweislich an Corona erkrankt war, enge Kontaktpersonen aber nicht infiziert wurden. „Die Suche gestaltet sich als schwierig“, so Tancevski, „denn die Gründe hierfür sind vielfältig. So kann die Virenanzahl zu klein oder die Kontaktdauer zu kurz gewesen sein. Ebenso ist es denkbar, dass die nicht infizierte Person durch eine vorhergegangene Infektion - etwa einem Schnupfen durch ein herkömmliches Coronavirus - eine Teilimmunität aufwies“, erläuterte der Lungenfacharzt.

„Therapien für die Zukunft entwickeln“
Weil sich die Suche nach Probanden als kompliziert erweise, gehe man in Innsbruck „einen zusätzlichen Weg“: „Wir suchen Mutationen im Rahmen des COVIDhge in Entzündungsgenen und testen diese dann zunächst in Zellkulturen, die wir mit dem Virus SARS-CoV-2 infizieren.“ Ziel sei es, Gene zu finden, auf deren Basis man eine Therapie gegen das Coronavirus entwickeln könne. „Es geht auch darum, jetzt Therapien für die Zukunft zu entwickeln“.

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