Erste Rücktritte

Frauen-Fußball: Immer mehr Missbrauchsvorwürfe

Im Frauen-Fußball werden in immer mehr Ländern Missbrauchsvorwürfe publik bzw. ziehen diese Konsequenzen nach sich. In der amerikanischen Profiliga NWSL verabschiedete sich Steve Baldwin als geschäftsführender Gesellschafter von Washington Spirit per Twitter-Erklärung. In Venezuela haben 24 Spielerinnen diverser Nationalteams einen Ex-Trainer der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs beschuldigt. Und in Australien wurden nach Vorwürfen Untersuchungen angekündigt.

Und zwar hatte Lisa De Vanna bei ihrem vor Kurzem vollzogenen Rücktritt mitgeteilt, dass sie während ihrer Karriere Opfer von sexuellem Übergriff, Belästigung und Mobbing gewesen sei. Die 36-Jährige hatte 150-mal fürs Nationalteam gespielt. „Es muss Konsequenzen geben“, sagte sie in einem Interview. Die ebenfalls vor kurzem zurückgetretene Rhali Dobson wiederum gab an, von älteren Spielerinnen missbraucht worden zu sein. Australiens Verband hat nun Untersuchungen der Fälle in Gang gesetzt.

In den USA unterzeichneten Aktive nach Baldwins Rücktritt einen Brief. Sie forderten ihn auf, seine Anteile an die Mitbesitzerin Y. Michele Kang zu verkaufen. In den von Baldwin selbst noch installierten Nachfolger Ben Olsen gebe es kein Vertrauen. Trainer Richie Burke hatte in der Woche zuvor seinen Posten bei Spirit verloren, nachdem Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Umgang mit den Spielerinnen öffentlich geworden waren.

Liga seit Tagen in Aufruhr
Die ganze Liga ist seit Tagen in Aufruhr. Auslöser waren Vorwürfe gegen den Trainer des Teams North Carolina Courage, Paul Riley, der nach einem Bericht des Portals „The Athletic“ infolge des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs zweier Spielerinnen entlassen wurde. In der Folge wurde bekannt, dass die NWSL Hinweise darauf ignoriert und unter den Teppich gekehrt hatte. Liga-Chefin Lisa Baird trat zurück.

Schon im August war Christy Holly als Trainer bei Racing Louisville gefeuert worden, nachdem Spielerinnen über ein „toxisches Umfeld“ geklagt hatten. Ein neues Leitungsgremium in der NWSL und eine unabhängige Untersuchung sollen die Vorwürfe aufklären und die Liga stabilisieren.

Schweigen gebrochen
Die Vorwürfe in Venezuela gehen gegen Kenneth Zseremeta. Der 55-Jährige hatte verschiedene Auswahlteams gecoacht, ehe er 2017 entlassen wurde. Atletico-Madrid-Starspielerin Deyna Castellanos veröffentlichte den Brief auf Social Media. Die Spielerinnen erklärten, sie hätten „beschlossen, ihr Schweigen zu brechen, um Situationen des Missbrauchs und der Belästigung - physisch, psychisch und sexuell - zukünftig zu vermeiden.“

Zseremeta trainiert inzwischen in seiner Heimat Panama Frauen-Mannschaften, er äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Jorge Gimenez, Präsident des Venezolanischen Fußballverbandes (FVF), sagte in einer Mitteilung: „Wir setzen uns für die Integrität des Sports ein und sind bereit, die Rechte unserer Spielerinnen durchzusetzen. Es ist an der Zeit, für Respekt und Fairness zu kämpfen.“

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Sonntag, 24. Oktober 2021
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