17.03.2011 19:29 |

"Ein Traummann"

Sexy Dessous-Fotos an Facebook-Phantom geschickt

"Blind vor Liebe" - zwei junge Burgenländerinnen haben diese Phrase offenbar neu definiert, und zwar dem Internet-Zeitalter angemessen: Ohne ihn ein einziges Mal "live" gesehen zu haben, vertrauten sie einem Facebook-"Freund", dem sie zeitgleich verfielen, sämtliche Daten und sogar Dessous-Fotos von sich selbst an. Da ihnen jetzt mehr und mehr dämmert, dass sie offenbar einem plumpen Phantom auf den Leim gegangen sind, bekommen sie es mit der Angst zu tun. Tatsächlich verliebten sich die jungen Frauen nämlich in den Surfer Julian Wilson, dessen Foto das "Facebook-Phantom" auf seinen Account stellte.

"Er war ein Traum von einem Mann", schwärmt Doris F. (Namen von der Redaktion geändert) im Gespräch mit bgld.krone.at immer noch: "Er hat alles so real geschildert, war scheinbar kinderlieb, hübsch und schien unsere Probleme zu verstehen - einfach zu schön, um wahr zu sein." In der Tat dürfte "Alexander Pichler", so sein Name auf Facebook, mehr Fiktion als Realität sein. 157 Freunde (Stand: Donnerstagmittag) zählt er auf der Social-Network-Plattform. Wirklich zu kennen scheint ihn aber niemand. "Ich hab' die Freundschaft einfach angenommen - ich kenne ihn nicht näher", erzählt ein User gegenüber bgld.krone.at. "Er erklärte mir, er kennt mich von diversen Diskotheken. Mir wäre er aber nie aufgefallen", so ein anderer "Freund".

Private Geheimnisse verraten
So intensiven Kontakt wie die beiden Burgenländerinnen hatte allerdings kaum jemand zu "Alexander". Doris F.: "Mindestens fünfmal haben wir uns ein Date ausgemacht. Ich habe mich jedes Mal darauf gefreut." Geworden ist freilich nie etwas daraus. In ihrer Naivität ("Wir waren ja so dumm") vertrauten Doris F. und ihre jetzige Freundin - die gemeinsame Erfahrung hat die beiden zusammengeschweißt - dem Phantom sogar Fotos von Familienangehörigen und Bilder, die sie in Unterwäsche zeigen, an. "Wir wollten ihn halt beeindrucken", erklärt sie.

Erst als sie durch Zufall ihre Leidensgenossin, der er übrigens eine ganz andere Lebensgeschichte als F. auftischte, kennenlernte, wurde sie misstrauisch - und ängstlich. Was mit ihren Dessous-Fotos jetzt passieren könnte, will sie sich lieber gar nicht vorstellen.

Kein strafrechtliches Delikt
Wer hinter "Alexander Pichler" steckt, kann sich F. nicht vorstellen. Ihn über die Handynummer, die sie freilich mit ihm getauscht hat, ausfindig zu machen, ist aussichtslos: Es handelt sich um ein Wertkartenhandy. Ein strafrechtliches Delikt liegt jedenfalls nicht vor. "Man kann auf diesen Plattformen ja beliebige Profile anlegen", erklärt Chefinspektor Schlaffer vom Landeskriminalamt gegenüber bgld.krone.at: "Erst wenn der Mann, oder wer auch immer sich dahinter verbirgt, die beiden Damen zum Beispiel auf Basis ihrer Kontaktdaten belästigen würde, könnte man ihn des Stalkings beschuldigen."

SP-Dunst ruft zu "gesunder Skepsis" auf
"Der gegebene Anlass zeigt ganz deutlich, wie einfach es ist, online mit falschem Namen und Foto Vertrauen zu erwecken", erklärt Konsumentenschutzlandesrätin Verena Dunst (SPÖ), die vor Kurzem selbst von einem Betrüger auf Facebook kontaktiert wurde. "Ich kann nur dazu raten, sich einen 'Freund' genau auszusuchen und lieber skeptisch den einen oder anderen abzulehnen, als leichtfertig Tür und Tor der Cyberkriminalität zu öffnen. Gesunde Skepsis ist angesagt."

"Alexander Pichler" hat seit Kurzem übrigens zwei Facebook-Freundinnen weniger: Doris F. und ihre Leidensgenossin.

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