11.09.2021 11:53 |

Taliban an der Macht

Afghanistan könnte zu „Terrorismus-Uni“ werden

Nicht nur die Bevölkerung in Afghanistan befürchtet nach der Machtübernahme durch die Taliban Mitte August nun die Errichtung eines Terrorregime, auch international wächst die Sorge vor eine Erstarken der Bedrohung durch islamistische Terrorgruppen, die im Land am Hindukusch einen sicheren Hafen bekommen könnten. Noch sei es zu früh für ein Urteil, doch könnte Afghanistan nun zur „Schule oder Universität für islamischen Extremismus und Terrorismus“ werden. Diese Besorgnis äußerte am Samstag Ahmed al-Qasimi, Exekutivdirektor des auf Extremismusprävention spezialisierten Hedayah-Zentrum in Abu Dhabi.

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Es wäre „naiv“ zu glauben, dass die Entwicklungen in Afghanistan keine Auswirkungen auf die nähere Nachbarschaft (Tadschikistan, Kirgistan) und die gesamte umliegende Region haben würden, warnte Qasimi, der aber unterstrich, dass eine endgültige Bewertung noch mehr Zeit bedürfe. Derzeit sehe es weniger danach aus, dass Afghanistan demnächst Terrorismus exportieren werde, meinte der Experte sinngemäß im Gespräch mit österreichischen Journalisten im Rahmen des Besuchs von Außenminister Alexander Schallenberg am Persischen Golf. Momentan gehe die Bewegung eher in die Gegenrichtung: Es könnte sein, dass Afghanistan sich als „sicherer Hafen“ für Extremisten und Terroristen etablieren könnte.

In einem Gespräch mit Schallenberg warnte Qasimi aber vor voreiligen Schlüssen in der Flüchtlingsfrage: „Nur weil du Migrant bist, bist du nicht sofort anfällig für Extremismus.“ Zumal jene Menschen, die derzeit Afghanistan verlassen wollten, eben auch vor religiösem Fundamentalismus auf der Flucht seien und sich die überwiegende Mehrheit der Muslime nicht mit radikalen Ideen oder Extremismus und Terrorismus identifizieren würden.

Corona trieb Radikalisierung im Netz voran
Eine besondere Gefahr sieht der Experte darin, dass sich der islamische Terrorismus in Zukunft vor allem nach Afrika verlegen und sich dort festsetzen könnte. Etwa in Gebieten der Sahara, die auch wegen mangelnder Telekommunikations- und Internetverbindungen schwer kontrollierbar seien. Generell sei es aber eher so, dass während der Corona-Pandemie die Radikalisierung auch im Internet vorangetrieben worden sei. Es müsse daher befürchtet werden, dass es in näherer Zukunft wieder vermehrt zu Anschlägen kommen werde.

Um einer Indoktrinierung zu entgehen, sei es in Europa wichtig, dass etwa auch die Balkanländer mit muslimischer Bevölkerung (Bosnien-Herzegowina, Albanien, Kosovo) integriert und sie nicht zu Außenseitern würden, analysierte Qasimi. Sonst hätten dort Proponenten islamistischer Ideen möglicherweise auch ein leichtes Spiel. Letztlich warnte der Experte aber auch davor, den rechtsextremen Terrorismus zu unterschätzen. Dieser habe seinen Peak sicher nicht erreicht und dürfe nicht unterschätzt werden, sagte er unter Verweis auf den Anschlag auf zwei Moscheen in der australischen Stadt Christchurch im März 2019.

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