10.08.2021 16:55 |

Seltener Falter

Auf „Apollomission“ im Naturpark

Einst ein beliebtes Sammelobjekt kämpft der hochspezialisierte Apollofalter heute um sein Überleben. Im Naturpark Nagelfluhkette gibt es noch Vorkommen dieser Art.

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Abwechselnd gleitend und gaukelnd zieht der Schmetterling mit dem klingenden Namen Apollofalter seine Kreise über die Alpwiese. Mit einer Flügelspannweite von sechs bis acht Zentimetern handelt es sich beim Apollofalter um einen besonders prachtvollen Schmetterling, der durch seine auffällige Zeichnung die Blicke auf sich zieht: Die Flügel werden von einem weißen Grundton dominiert, der Außenrand ist nicht beschuppt und wirkt fast gläsern. Auf den Vorderflügeln sind ein oder mehrere schwarze Punkte erkennbar. Auf den Hinterflügeln trägt das Insekt große rote Augenflecken mit schwarzer Umrandung und weißen Spiegeln.

Sammler verfolgten ihn gnadenlos
Apollo galt im antiken Griechenland als Sinnbild für die Schönheit, sowie als Gott des Lichts und des Frühlings. Der elegante Schmetterling macht diesem Namen alle Ehre. Seine Attraktivität sowie seine hohen Ansprüche an seine Umgebung sind dem Tagfalter aber fast zum Verhängnis geworden. Als beliebte Trophäe bei Sammlern wurde der Apollofalter lange Zeit gnadenlos verfolgt. Das fortschreitende Verschwinden seines Lebensraums bringt die Art weiter in Bedrängnis. Mittlerweile ist der Apollofalter als weltweit einzige nicht tropische Schmetterlingsart durch das Washingtoner Artenschutzabkommen vor illegalem Handel geschützt- genauso wie der Tiger oder der Afrikanische Elefant.

Im Naturpark Nagelfluhkette, der sich zwischen Vorarlberg und dem Allgäu (D) erstreckt, kann der Falter noch mancherorts beobachtet werden, lebt er doch in enger Abhängigkeit zu traditionell bewirtschafteten Alpflächen. Steil und mit großen Felsblöcken durchsetzt sind die Weiden, die zur Lochalpe gehören. „Nach der letzten Eiszeit kam es hier zu einem massiven Felssturz, wovon die großen Gesteinsblöcke bis heute zeugen. Diese Hänge und Magerrasen werden traditionell bewirtschaftet und durch Beweidung sowie Schwenden offen gehalten. Das Felssturzgebiet ist ideal für den Apollo“, sagt Biologe Alexander Feuerle, der gemeinsam mit dem Team des Naturparks eine Grunderhebung zum Vorkommen des Falters durchführte. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wurde durch Forschungsgelder der inatura Dornbirn unterstützt. Ziel war es, die Populationen im Lecknertal und Balderschwangertal zu erfassen, sowie deren Beeinträchtigungen durch verschiedene Nutzungsarten der jeweiligen Gebiete.

Die einzige Futterpflanze
Die bemoosten Felsen des Nagelfuhgesteins mit seinen vielen Ritzen und Spalten bieten den Schmetterlingseiern Schutz im Winter. Wenn ab Februar die Strahlkraft der Sonne wieder zunimmt, dann herrscht auf den grauen Felsblöcken ein warmes Mikroklima, was zum Schlüpfen der Raupen führt. Zudem sind die zu Gestein „verbackenen“ Flusskiesel der Nagelfluhkette ein idealer Vegetationsplatz für den „Weißen Mauerpfeffer“ (auch Weiße Fetthenne). „Der Apollofalter ist äußerst wählerisch, was seine Nahrung betrifft. Der weiße Mauerpfeffer ist die einzige Futterpflanze für die Raupen dieser Art“, erläutert Feuerle. Für den ausgewachsenen Schmetterling ist indes die langstielige Distel Nahrungsquelle Nummer eins. Steht diese nicht zur Verfügung, weicht er notgedrungen auf andere Blumen mit violetten Blüten aus.

Das Insekt hat also bereits von Natur aus komplexe Ansprüche. Durch Flurbereinigungen, intensive Landwirtschaft, dem Schwinden traditionell bewirtschafteter Alpflächen sowie klimatischer Veränderungen wird es noch einmal schwieriger für den Apollofalter. Um das Überleben der Art kurzfristig zu sichern, bräuchte es zwischen 100 und 500 Individuen. Derzeit werden bei den regelmäßigen Zählungen aber nur eine Handvoll Tiere gezählt. „Durch die Kältewelle im Mai sind wohl viele Raupen zugrunde gegangen. Jede kleine Veränderung wirkt sich extrem auf die Population aus. Das gilt aber auch für viele andere Spezies“, betont Feuerle.

Fakten

Im August legt das Weibchen Eier an geschützten Stellen im Gestein ab. Im Ei überwintert der Falter als kleine Raupe, die im Frühjahr schlüpft. Ihre schwarze Färbung hat sie, um möglichst viel Sonnenwärme aufzunehmen. Als einzige Futterpflanze dient der Weiße Mauerpfeffer, auch Fette Henne genannt. Die Raupe häutet sich bis Mai etwa fünf Mal und verbringt den ganzen Juni in Puppenruhe. Von Ende Juni bis Mitte August kann der Flug des Apollofalter beobachtet werden.

Schmerzlicher Verlust für Artenvielfalt
Doch macht es überhaupt einen Unterschied, ob der Apollofalter auch in Zukunft seine Kreise im Naturpark zieht oder nicht? Für Feuerle ist die Antwort eindeutig: „Der Apollofalter kann als Anzeiger gesehen werden, wie gesund ein Ökosystem ist. Sein Verschwinden würde sich zudem auf andere Tiere wie Eidechsen und Vögel auswirken, da er Teil der natürlichen Nahrungskette ist. Darüber hinaus wäre sein Aussterben ein schmerzlicher Verlust für die heimische Artenvielfalt.“ Das Team des Naturparks Nagelfluhkette hat es sich daher zum Ziel gesetzt, Maßnahmen zum Erhalt der Art auszuarbeiten und diese in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft umzusetzen. So bleibt zu hoffen, dass auch noch in kommenden Sommern der Flug des Apollo beobachtet werden kann.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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