Bedarfserhebung

Pflege: Rüscher befürchtet keinen Personalnotstand

Vorarlberg
27.02.2026 18:15
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Erstmals liegt ein Gesamtbericht zur Pflegeversorgung in Vorarlberg vor: Laut Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP) ist der steigende Bedarf „bewältigbar“. Diesen Optimismus teilen allerdings nicht alle. 

Dass die Bevölkerung auch in Vorarlberg immer älter wird, ist durch Studien eindrucksvoll belegt: Bis zum Jahr 2035 wird im Ländle die Zahl der Über-64-Jährigen um ein Drittel zunehmen, die Zahl der Personen zwischen 70 und 74 Jahren wird um 8000 ansteigen. Eine direkte Folge dieser Entwicklung: Der Pflege- und Betreuungsbedarf wird wachsen. Man müsse daher jetzt in der Pflegeausbildung „das Notwendige tun“, um die Versorgung sicherzustellen, betont Soziallandesrätin Martina Rüscher. Auch infrastrukturell stocke man die Kapazitäten auf: So würden auf Spitalsebene zwei Akutgeriatrien aufgebaut, zudem soll auch der mobile Bereich mehr Ressourcen erhalten.

Vorarlbergs Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher.
Vorarlbergs Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher.(Bild: Shourot Maurice)

2650 zusätzliche Pflegekräfte nötig
Die größte Challenge bleibt freilich, genügend Personal zu finden: 2024 waren in Vorarlberg rund 6230 Personen in Pflege- und Betreuungsberufen tätig. Laut Prognosen braucht das Land bis 2035 in etwa 2650 neue Kräfte – 1500 davon allein wegen Pensionierungen, weitere 1100 durch die steigende Nachfrage nach Pflegeleistungen. In den Spitälern wird ein Anstieg des Personalbedarfs um 13 Prozent erwartet, in der stationären Langzeitpflege – ähnlich wie in der mobilen Pflege – um 28 Prozent. „Die gute Nachricht ist: Wir werden das bewältigen können“, gibt sich Rüscher optimistisch.

Ressourcen richtig einsetzen
Voraussetzung dafür sei aber, in Sachen Personalentwicklung am Ball zu bleiben. So gelte es, die Pflegekräfte je nach ihrer Qualifikation richtig einzusetzen. Größere Bedeutung zukommen werde den Berufen Fach- und Diplomsozialbetreuung, Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz, vor allem im mobilen Sektor. Diese Berufsgruppen sollen verstärkt Aufgaben in der täglichen Versorgung übernehmen und damit höher qualifizierte Fachkräfte entlasten.

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Die gute Nachricht ist: Wir werden das bewältigen können.

Soziallandesrätin Martina Rüscher

Bessere Koordination, leichterer Berufseinstieg
Um Personal für die Pflege zu gewinnen, will das Land an mehreren Hebeln ansetzen: So sollen der Berufseinstieg erleichtert, die Koordination verbessert und Kooperationen gefördert werden. Unterstützen will das Land, genauer der Pflegedienstleister „Connexia“, auch bei den Nostrifikationen ausländischer Pflegekräfte. Die „Connexia“ wird zudem weiterhin Interessierte, die eine Ausbildung im Gesundheits- und Sozialbereich anstreben, mit Informationen versorgen. Im Vorjahr habe man über 1300 Erstberatungen durchgeführt, so Birgit Battlogg, Leiterin des „Welcome Center Care“ von „Connexia“.

Ausbildung „Herkulesaufgabe“
Stark gefordert werden in den kommenden Jahren auch die Ausbildungsstätten sein. Mario Wölbitsch, Direktor der Pflegeschule Vorarlberg, spricht in diesem Zusammenhang von einer „Herkulesaufgabe“. Derzeit seien alle Ressourcen voll ausgeschöpft, es gebe einen Aufschwung bei den Anmeldungen. Arno Geiger, Studiengangsleiter Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Vorarlberg, berichtet ebenfalls, dass das Interesse an qualifizierten Pflegejobs wachsend sei. Was auch an der gestiegenen Attraktivität läge: „Wir können mittlerweile Karrieren anbieten“.

Harsche Kritik von SPÖ-Gesundheitssprecherin
Allerdings teilt nicht jeder den Optimismus von Rüscher. SPÖ-Gesundheitssprecherin Manuela Auer ortet angesichts des Personalbedarfs von 2650 zusätzlichen Pflegekräften bis 2035 sogar ein „Totalversagen“ von ÖVP und FPÖ: „Diese Zahlen sind alarmierend. Sie sind das Ergebnis jahrelanger politischer Versäumnisse, auf die wir mindestens ebenso lange schon hingewiesen haben.“ Sie kritisiert zudem, dass die Landesregierung trotz der Personalengpässe jüngst die Zuschüsse für Pflegeausbildungen gestrichen hat: „Das ist sachlich doch völlig unschlüssig und politisch verantwortungslos!“

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