04.08.2021 07:00 |

Köstendorf

Vögel und Käfer legen ÖBB-Großprojekt lahm

In den Bäumen nisten seltene Greifvögel, am Boden tummeln sich streng geschützte Käfer: Der angedachte Standort der Deponie für das ÖBB-Großprojekt im Flachgau steht vor dem Aus.

Wir müssen die ganze Logistik und den Bauablauf neu planen und überdenken.“ Auf Christian Höss und seine Mitstreiter kommt eine arbeitsintensive Zeit zu. Der ÖBB-Projektleiter muss sich jetzt eine Frage stellen: Wohin mit dem Ausbruchmaterial, das bei Bau des 16,5 Kilometer langen Tunnels für die Hochleistungsstrecke zwischen Köstendorf und der Stadt Salzburg anfallen wird?

Eigentlich wollten die ÖBB das Baumaterial auf einer Deponie Karlsreith im Grenzgebiet zwischen Köstendorf und Seekirchen aufschütten. Doch daraus dürfte nichts werden. Bei neuerlichen Untersuchungen entdeckte man am geplanten Areal nicht nur etliche Exemplare des EU-weit streng geschützten Schwarzen Grubenlaufkäfers. Auch die – ebenfalls geschützten – Greifvögel Rot- und Schwarzmilan nisten in dem Gebiet. Der Rotmilan gilt in Österreich als vom Ausstreben bedroht. Er nistet erst seit wenigen Jahren in Salzburg. Die Anzahl an Schwarzmilanen im Bundesland lässt sich an beiden Händen abzählen. „Es gibt für diese Tiere einfach zu wenig Erkenntnisse, wie sie umzusiedeln wären“, sagt Höss. Oder anders ausgedrückt: Eine Deponie in Karlsreith ist wegen der Vögel und Käfer de facto wohl ausgeschlossen. „Die jetzigen Funde sprechen nicht für den Standort“, gibt auch Höss offen zu.

Konkrete Pläne für einen anderen Deponie-Standort gibt es derzeit nicht – wohl auch, weil der Schwarze Grubenkäfer im gesamten Flachgau anzutreffen ist. Vielmehr werden die ÖBB das Ausbruchmaterial künftig wohl mit Zügen abtransportieren. Diese Variante wird weit kostenintensiver als die geplante Endlagerung Köstendorf.

Mehrkosten in Millionenhöhe drohen
Zu den Kosten machen die ÖBB keine Angaben, in der Vergangenheit wurden derartige Mehrkosten allerdings bereits mit zehn Millionen Euro beziffert.

Es ist damit der nächste Rückschlag für die ÖBB. Der viergleisige Ausbau der Weststrecke zwischen Köstendorf und Salzburg auf einer Länge von 21,3 Kilometern samt Tunnel stand zuletzt unter keinem guten Stern. Bereits vor knapp zwei Jahren entdeckte man den streng geschützten Steinkrebs im ursprünglich angedachten Deponiegebiet in Lochen (OÖ).

Und dennoch möchte man am bisher angestrebten Zeitplan festhalten: 2040 sollen die ersten Züge durch den Tunnel fahren, 2027 die Bauarbeiten beginnen. Die angestrebte Trasse ist laut ÖBB von den Funden der geschützten Vögel und Käfer nicht betroffen.

Matthias Nagl
Matthias Nagl
Nikolaus Klinger
Nikolaus Klinger
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