29.06.2021 06:00 |

Neue Studie

Nur 13 Prozent Frauen in Führungspositionen

Obwohl es jedes Jahr ein paar Prozent mehr werden, bleibt die Bilanz des Frauenanteils in der Führungsetage der heimischen Unternehmen teils desaströs. Für einen großen Sprung müsste sich vieles ändern.

Völlig egal, wer in der Führungsetage eines Unternehmens sitzt? Nicht ganz, sagt Christine Katschnig-Otter. Die Geschäftsführern von Felin, einer Initiative für weibliche Führungskräfte, ist überzeugt: „Diversität macht ein Unternehmen erfolgreicher.“ Das belegen zahlreiche Studien, etwa eine von McKinsey aus 2020, die ergeben hat, dass Unternehmen mit beinahe gleich vielen Männern und Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit profitabel sind.

Weniger schöne Ergebnisse hat die neue Studie von Felin ans Licht gebracht. Von den steirischen Top-100-Unternehmen nach Umsatz - darunter bekannte Größen wie Andritz, Magna, AT&S, aber auch die KAGes - haben 65 keine einzige Frau in der ersten Führungsetage. Der Frauenanteil (in Vorstand, Geschäftsführung oder Aufsichtsrat) beträgt insgesamt nur 13 Prozent. Das sind aber immerhin drei Prozent mehr als 2019, als die letzte Studie erschienen ist.

Wo es Quoten gibt, wirken sie auch
Ob man sie gut findet oder nicht - die Quote wirkt jedenfalls. Seit 2018 müssen im Aufsichtsrat von börsennotierte Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen sein. 2019 waren es in der Steiermark noch 20, nun sind es 27 Prozent. Auch bei Beteiligungsgesellschaften des Landes und der Stadt Graz liegt der Anteil überdurchschnittlich hoch. „Das 2018 formulierte Ziel, auf 50 Prozent zu kommen, haben wir aber verpasst“, bleibt die Grazer Frauenstadträtin Judith Schwentner (Grüne) bescheiden.

Woran liegt es, dass Frauen nachhinken? Sicher nicht an der Qualifikation. In fast allen Bereichen sind Frauen besser ausgebildet. Das Problem sind viel mehr die Rahmenbedingungen, vor allem für Mütter. „Es gibt hier eine strukturelle Diskriminierung. Frauen werden für die Familie verantwortlich gemacht, sie kümmern sich um Kinder und um die Pflege von Älteren“, erklärt Bernadette Pöcheim von der Arbeiterkammer Steiermark.

Verschiedene Wege zum gleichen Ziel
Was also tun, damit der Frauenanteil endlich einen Sprung macht? Hier gehen die Meinungen auseinander. Pöcheim plädiert für mehr Quoten und eine Arbeitszeitkultur, die Frauen zu Gute kommt - also eine Arbeitszeitverkürzung. Nina Zechner, stellvertretende Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung (IV), setzt auf Bewusstseinsbildung in Schulen und mehr Selbstvertrauen für Frauen.

Bei einem sind sich aber alle einig: Es braucht mehr und flexiblere Kinderbetreuung und Väter, die in Karenz und Elternteilzeit gehen. Denn 50 Prozent der berufstätigen Steirerinnen arbeiten in Teilzeit. „Und jedes Jahr Teilzeitarbeit kostet ein Prozent der Pension. Das haben Frauen nicht am Schirm“, sagt Zechner.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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