23.06.2021 21:30 |

Nachtgastro-Desaster

1-G oder 3-G: „Können uns auf nichts festlegen“

Die Nachtgastronomie kann ab dem 1. Juli wieder öffnen. Doch ist das angesichts der grassierenden Delta-Variante des Coronavirus sinnvoll? Und ist die Nachtgastronomie glücklich darüber, jetzt wieder öffnen zu dürfen? Darüber spricht Katia Wagner mit ihren Gästen im #brennpunkt-Talk auf krone.tv.

Diskothekenbetreiber Joachim Natschläger werde mit seinen Betrieben auf die Öffnung am 1. Juli aus organisatorischen Gründen verzichten müssen, wie er selbst sagt. „3-G, 1-G, 2-G: Man stellt sich das immer leichter vor, wenn man so einen Betrieb von außen betrachtet. Das ist schon ein großer Aufwand, da mehrere Hundert Personen als Personal zu akquirieren in der kurzen Zeit. Noch dazu haben wir jetzt Hochsommer, also für uns ist es jetzt nicht die prädestinierte Zeit, in den Betrieb zu gehen, wo man draußen 35 Grad tagsüber hat und die Urlaubszeit noch ansteht“, so Natschläger. Er selbst kenne viele Betriebe, die den 1. Juli noch auslassen werden.

Was fehle, sei die Planungssicherheit. „Zuerst heißt es 3-G, jetzt war die Rede von 1-G in Wien. Wir können uns auf nichts festlegen. Es ist eigentlich ein Desaster. Das Personal wartet ja nicht auf mich und sagt, ,am nächsten Tag bin ich da‘.“ Er verstehe zwar, dass es jetzt im Sommer der beste Zeitpunkt sei, die Diskotheken aufgrund der niedrigen Infektionszahlen zu öffnen. Wirtschaftlich gesehen sei das für die Branche aber nicht von Vorteil. „Für die Nachtgastronomie war es in den Sommermonaten immer schon schwierig, wirtschaftlich zu bleiben.“

Für Virologe Christoph Steininger ist klar, dass die Planungssicherheit in allen Bereichen des Lebens fehlt. „Der wichtige Punkt, den die Bundesregierung aber auch immer betont, ist, dass es die Kombination aus Sicherheitsmaßnahmen und Öffnungen braucht. Dazu gehöre auch, dass man möglichst rasch möglichst viele Menschen impft oder testet. Und dann sehe ich auch kein Problem darin, dass sich viele Menschen auf engem Raum treffen“, so Steininger.

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Freiheitsrechte muss man sich nicht erimpfen, die hat man.

Udo Guggenbichler, Abgeordneter zum Wiener Landtag, FPÖ

Dass man im Juli die Nachtgastronomie öffnen will, ist für den Landtagsabgeordneten Udo Guggenbichler (FPÖ) längst überfällig. „Ich freu mich nicht auf die Öffnung, ich hätte mich gefreut, wenn wir schon lang offen gehabt hätten. Es kommt eine Verunsicherung nach der anderen und die Gastronomen können nicht planen.“ Eine 1-G-Regel für die Nachtgastronomie, wäre für Guggenbichler außerdem eine Impfpflicht durch die Hintertür. „Es gibt immer noch Freiheitsrechte, die auch zu gewährleisten sind. Freiheitsrechte muss man sich nicht erimpfen, die hat man.“

„Können nicht immer in Angststarre verfallen“
Auch für den Gastro-Obmann der Wiener Wirtschaftskammer, Peter Dobcak, ist klar, dass lange genug geschlossen gewesen ist. „Wir haben jetzt die vierte oder fünfte Mutation und das ist ein gefinkeltes Virus, das ist schon klar. Aber wir werden noch einige Mutationen erleben.“ Aufgrund dessen immer in Angststarre zu verfallen, sei nicht die Lösung. „Es war immer ansteckend und trotzdem haben wir jetzt diese niedrigen Ziffern“, so Dobcak.

Der Fokus müsse jetzt aufs Impfen gelegt werden, um diese Durchimpfungsrate so rasch wie möglich zu erhöhen und dann den Weg weiterzugehen. „1-G oder 2-G, das ist ein Aufwand, der wird nicht zu stemmen sein. Auch wirtschaftlich nicht, das ist sinnlos. Man muss wirklich vorsichtig und gut überlegen, wie man hier weitergeht“, so Dobcak.

Unser Talk-Format #brennpunkt sehen Sie immer mittwochs ab 20.15 Uhr auf krone.tv und hier auf krone.at sowie um 22 Uhr bei n-tv Austria.

Jana Pasching
Jana Pasching
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