10.06.2021 20:48 |

Auch EU großzügig

USA spenden 500 Millionen Biontech-Impfdosen

Die USA wollen dem Beispiel der EU folgen und 500 Millionen Covid-19-Impfdosen von Biontech/Pfizer kaufen, um sie ärmeren Ländern zu spenden. 200 Millionen Dosen würden ab August geliefert, die restlichen 300 Millionen in der ersten Hälfte des Jahres 2022, teilten die beiden Unternehmen am Donnerstag mit. Sie sollen über die internationale Impf-Allianz Covax an mehr als 90 ärmere Länder sowie die Afrikanische Union verteilt werden.

US-Präsident Joe Biden hatte zunächst die Politik seines Vorgängers Donald Trump fortgesetzt und die Ausfuhr der in den USA produzierten Impfstoffe untersagt. Seit aber genug Impfstoff für die US-Bevölkerung bereitsteht, hat er seinen Kurs geändert. Die Impfstoff-Spende wäre die bisher größte eines einzelnen Landes. Biden äußerte sich vor Beginn des G7-Gipfels im britischen Cornwall und forderte andere Länder auf, es den USA gleichzutun. Die EU hatte bereits im Mai angekündigt, 100 Millionen Dosen in diesem Jahr anderen Ländern zu spenden.

Deutschland allein finanzierte 200 Millionen Dosen
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wies darauf hin, dass allein Deutschland für Covax bereits eine Milliarde Euro bezahlt habe. Gehe man von einem Preis für eine Impfdose von fünf Euro aus, dann habe allein Deutschland 200 Millionen Dosen finanziert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wies ihrerseits darauf hin, dass die EU bereits rund 150 Millionen Impfdosen in mehr als 90 Länder geliefert habe.

Merkel: „Europa kann sich sehen lassen“
Merkel sagte, dass sie angesichts der Lieferunsicherheit auch im Monat Juli keine genauen Zusagen über weitere Spenden von überschüssigen Impfdosen machen könne. Deutschland und die EU müssten wie die USA auch die eigene Bevölkerung versorgen. „Europa kann sich sehen lassen“, betonte sie aber.

EU und USA erwarten keine Gegenleistungen
Die Vereinigten Staaten zahlen für die 500 Millionen Impfdosen laut einem hochrangigen Vertreter der US-Regierung 3,5 Milliarden Dollar (2,87 Milliarden Euro). Der Vertrag soll in den kommenden Wochen unter Dach und Fach gebracht werden. Die USA erwarten wie die EU für Impfstoff-Spenden nach Angaben eines hochrangigen Regierungsvertreters keine Gegenleistungen. „Wir wollen wirklich unterstreichen, dass es hier im Grunde um ein einziges Ziel geht, nämlich Leben zu retten“, sagte er. „Wir stellen keine Forderungen. Wir erlegen Ländern keine politischen, wirtschaftlichen oder sonstigen Bedingungen auf, um diese Dosen zu erhalten.“ Hintergrund ist der Vorwurf westlicher Regierungen, China und Russland erwarteten für ihre Lieferungen politische Gefälligkeiten.

Die Hilfsorganisation Oxfam forderte, dass mehr getan werden müsse, um die weltweite Impfstoffproduktion anzukurbeln. „Diese 500 Millionen Impfdosen sind sicherlich willkommen, da sie mehr als 250 Millionen Menschen helfen werden. Aber das ist immer noch ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zum weltweiten Bedarf“, sagte Niko Lusiani, Impfstoffleiter von Oxfam America. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigte an, dass die EU den Aufbau von Produktionskapazitäten in Afrika mit einer Milliarde Euro unterstütze.

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