19.05.2021 11:25 |

4529 offizielle Opfer

Indien bricht weltweiten Rekord an Corona-Toten

In Indien sind mehr Corona-Tote binnen eines Tages verzeichnet worden, als jemals zuvor seit Beginn der Pandemie. 4529 Menschen sind im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung gestorben. Bisher soll laut Daten der Johns-Hopkins-Universität bisher noch kein Land so viele Corona-Tote innerhalb von 24 Stunden registriert haben - und die Dunkelziffer könnte noch weitaus sein. Experten vermuten, die wahre Anzahl könnte bis zu dem Fünffachen betragen.

Den traurigen Rekord der meisten Corona-Toten hielt zuvor die USA. Dort wurden am 12. Jänner 2021 4475 Verstorbene gemeldet. Insgesamt soll es in Indien mehr als 25 Millionen Infektionen bei 1,3 Milliarden Einwohnern gegeben haben. Wie das Magazin „Spiegel“ berichtet, könnte diese Zahl - vermutlich aufgrund der indischen Corona-Mutation - allerdings noch weitaus höher liegen.

Offizielle Zahlen stimmen nicht mit Beobachtungen von Reportern überein
Denn die Journalisten des Magazins entdeckten, dass die offiziellen Corona-Zahlen so gar nicht mit ihren Beobachtungen zusammenpassen. So seien an einem Tag in der Stadt Jamnagar
58 Leichen aus einem einzigen Krankenhaus abtransportiert. Das entspricht der sechsfachen Anzahl, die die Behörden für die ganze Metropole gemeldet hatten. In einer Lokalzeitung füllen die Todesanzeichen sechs volle Seiten.

Auf Totenscheinen wird oft Coronavirus als Ursache nicht angegeben
Ähnliche Beobachtungen in Ahmedabad: In einem Krankenhaus wurden 63 Leichensäcke gezählt - es gibt aber offiziell nur 20 Corona-Tote in der 5,6-Millionen-Einwohner-Stadt, die die fünftgrößte des Landes ist. Der „Spiegel“ hat auch eine Erklärung für die große Diskrepanz. Auf vielen Todesscheinen von Corona-Opfern wird ein Herzinfarkt, eine Lungenentzündung oder einfach nur „Krankheit“ angegeben. Die Leichen würden aber unter Wahrung aller Vorsichtsmaßnahmen so verbrannt, wie dies bei Virus-Opfern vorgesehen ist.

Über die Gründe dafür lässt sich nur spekulieren: So sei vorstellbar, dass die Behörden Druck auf Spitäler ausüben. Es gab zuvor schon Berichte, dass Krankenhäuser, die offen über Probleme in Bezug mit der Pandemie sprachen, Probleme mit der Polizei bekamen. Die Überlastung der Einrichtungen könnte ebenfalls dazu beitragen: Angesichts der Anzahl an Toten dürfte auch die Zeit für das Ausfüllen der Totenscheine knapp sein. Zudem gebe es vor allem am Land noch wenig Testmöglichkeiten. Auch die Verbliebenen könnten Interesse daran haben, dass das Coronavirus nicht als Todesursache angegeben wird: Bei der Bestattung drohen sonst strenge Regeln.

Experten gehen jedenfalls von einer hohen Dunkelziffer aus. Manche vermuten eine doppelte Anzahl an Toten, andere können sich sogar eine fünffach höhere Zahl als offiziell angegeben vorstellen. In ländlichen Regionen sei die Lage teilweise so verheerend, dass Verstorbene einfach in Flüssen „entsorgt“ werden.

Angesichts dieser dramatischen Lage ist es nicht verwunderlich, dass Indien, das wegen seiner enorm großen Produktion an Medikamenten auch „Apotheke der Welt“ genannt wird, derzeit auf den Export von Corona-Impfstoffen verzichtet. Das Serum Institute of India kündigte jedoch an, dass es auf Lieferungen „bis Ende dieses Jahres“ hoffe. Besonders betroffen von dem Engpass an Vakzinen ist die Covax-Initiative, die auch ärmere Länder mit Impfstoffen versorgen möchte. 

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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