Spannende Einblicke

Mit dem Bohrer im Hallstätter See in die Eiszeit

Oberösterreich
19.05.2021 16:00

Historiker und Geologen blicken gespannt nach Hallstatt. Dank einer in Oberösterreich entwickelten Bohrplattform drangen Forscher in bis dato unerreichte Tiefen des Sees vor. Das ermöglicht ihnen eine Zeitreise von bis zu 11.500 Jahren. Bis dato war ein Blick zurück nur für die letzten 2500 Jahre möglich.

Seit über 100 Jahren wird im Hallstätter See geforscht. Tiefer als 16 Meter gelang es aber noch keinem Bohrer, in den Seegrund vorzudringen. Nun aber melden Forscher, dass sie in über 100 Metern Wassertiefe sogar 51 Meter in den Seegrund bohren und einen ebenso langen Bohrkern bergen konnten, der eine Zeitreise von 11.500 Jahren zurück in die Geschichte rund um den Salzberg möglich macht.

Firma aus OÖ entwickelte Bohrer
„Wir denken, dass wir damit zurück in die Eiszeit blicken können, als die Gletscher begonnen haben, abzuschmelzen“, erklärt Kerstin Kowarik von der prähistorischen Abteilung des Wiener Naturhistorischen Museums. Dieses Vordringen in bisher unerreichte Tiefen ermöglichte die oberösterreichische Firma Uwitec, die die Bohrplattform „Hipercorig“ entwickelt hat. Seit April ist „Hipercorig“ am Hallstätter See im Einsatz und liefert ständig neue, spannende See-Sedimente. Aus den Proben lassen sich wichtige Informationen über die Temperaturentwicklung der Vergangenheit, Niederschlagsmengen, Hochwasserereignisse, aber auch über die Pflanzenwelt rund um den See sowie Bergstürze und Murenabgänge ablesen.

(Bild: D.BRANDNER)

Uralte DNA erhofft
Auch Aufschlüsse über die Eingriffe der Menschen in die Natur sowie ihre Lebensbedingungen sind möglich. Denn Pflanzenreste, Blütenstaub, Insekten und Mikroorganismen, Gesteine und viele andere Materialien werden über Luft und Wasser in Seen eingetragen. Selbst die DNA von Nutztieren wie Kühen oder Schafen, die beispielsweise über Fäkalien in den See gelangt ist, lässt sich nachweisen.

Bohrkerne werden im Herbst geöffnet
Bis es erste Ergebnisse gibt, wird es aber noch eine Weile dauern. Die Bohrkerne werden laufend zur Innsbrucker Uni transportiert und müssen bei Temperaturen von vier bis acht Grad gelagert werden. Nach ersten Messungen noch in der Ummantelung werden sie im Herbst geöffnet und erste Proben entnommen.

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