13.05.2021 20:14 |

Armee sammelt Truppen

Gaza-Konflikt: Israel bereitet Bodenoffensive vor

Die militärische Antwort auf die massiven Raketenangriffe aus dem palästinensischen Gazastreifen auf zivile Ziele in Israel werde noch um vieles härter ausfallen, als die Terrororganisation Hamas sich das vorstellen könne, heißt es aus Kreisen der israelischen Armee. Eine Bodenoffensive in den dicht besiedelten Küstenabschnitt am Mittelmeer ist jedenfalls in Vorbereitung.

Ob die israelische Armee tatsächlich im Gazastreifen einmarschieren wird, war vorerst offen. Anzeichen dafür gab es aber jedenfalls. Spezial- und Infanterieeinheiten, Artillerie und Panzer wurden rund um den Gazastreifen zusammengezogen. Da ein Bodenkampf aber auch zu zusätzlichen Opfern auf israelischer Seite führen würde, werden die Generäle sich einen solchen Schritt wohl sehr genau überlegen.

Premierminister Bibi Netanyahu macht aber klar, dass Israel massiv zurückschlagen werde: „Es wird einige Zeit dauern, aber mit großer Entschlossenheit, sowohl defensiv als auch offensiv, werden wir unser Ziel erreichen - die Ruhe im Staat Israel wiederherzustellen.“

Der Einsatz des Raketenabwehrsystems „Eisenkuppel“ gebe Israel Raum für Angriffe, so der Regierungschef. So seien bereits rund 1000 Ziele militanter Palästinenser beschossen worden.

Weiter Raketenhagel auf Wohngebiete
Dennoch gingen die Raketenangriffe auf Wohngebiete in Israel weiter. Und damit auch die Vergeltungsschläge der israelischen Luftwaffe im Gazastreifen.

Ägypten bemüht sich wie stets in solchen Situationen, zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln. Delegationen verhandelten sowohl mit den Israelis als auch mit Vertretern der Hamas und des Islamischen Dschihad, der zweiten Terrorgruppe im Gazastreifen.

Angeblich soll die Hamas eine Feuerpause angeboten haben. Das solle aber von Israel vorerst abgelehnt worden sein.

Drei Raketen vom Libanon auf Israel abgefeuert
Am Donnerstagabend wurden israelischen Angaben zufolge aus dem Libanon drei Raketen auf Israels Norden gefeuert. Die Geschosse seien im Meer gelandet, teilt das israelische Militär mit. Dabei sei weder jemand verletzt noch Schaden angerichtet worden. 

Unterdessen kam es in mehreren Städten zu schweren Auseinandersetzungen zwischen arabischen und jüdischen Israelis. Es gab sogar Todesopfer. Staatspräsident Rivlin sprach von einer „echten Bedrohung für die israelische Souveränität“.

Die gemäßigte Mehrheit von Juden und Arabern müsse sich für Rechtsstaatlichkeit und eine gemeinsame Existenz einsetzen, forderte Rivlin: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremisten den Ton angeben.“

Kommentar: Durch Mark und Bein
Die Israelis haben in ihrer Geschichte zwangsläufig lernen müssen, mit der Gefahr zu leben. Von einem Moment auf den anderen angegriffen und in einen Krieg hineingezogen zu werden - gezwungen, sich mit allen gebotenen Mitteln zu verteidigen.

Das hat die Menschen in Israel geprägt, sie zusammengeschweißt, das Militär zu einer der wichtigsten Institutionen des Landes werden lassen, in dem Mädchen zwei Jahre, Burschen zweieinhalb Jahre dienen müssen. Stets im Bewusstsein, vielleicht sterben zu müssen für das Land.

Dennoch ist die Gesellschaft in Israel alles andere denn militarisiert. Und trotz ihrer militärischen Ausbildung geht es den Menschen durch Mark und Bein, wenn die Luftschutzsirenen zu heulen beginnen. Und das tun sie zurzeit mit unheimlicher Regelmäßigkeit. Es gibt sogar eine Handy-App, über die sich die Raketenangriffe der palästinensischen Terrororganisation Hamas in Echtzeit verfolgen lassen.

In der 20.000-Einwohner-Siedlung Sderod etwa, die ganz in der Nähe der Grenze zum Gazastreifen liegt, bleiben den Menschen dann nur 15 Sekunden, um den nächsten Luftschutzkeller zu erreichen. Dann folgt der Einschlag.

In Ashkelon, von wo aus Israel mit Trinkwasser sowie Israel und der Gazastreifen mit Elektrizität versorgt werden, sind es 30 Sekunden, in der Wüstenstadt Be’er Sheva 40 Sekunden. Und in der Metropole Tel Aviv mit ihren rund 500.000 Einwohnern sind es zwei Minuten.

Ein Leben in ständiger Anspannung. In Israel. Aber natürlich auch bei der Bevölkerung im palästinensischen Gazastreifen.

Christian Hauenstein
Christian Hauenstein
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