10.05.2021 22:20 |

Vor Redaktion

Groß-Demonstration gegen „sexistischen“ Verleger

Mit einem Großaufgebot an Beamten musste die Wiener Polizei am Montagabend am Karlsplatz vor der Redaktion der Zeitung „Österreich“ aufmarschieren. Grund: Hunderte Menschen wollten „ein Zeichen gegen die Person Wolfgang Fellner“ setzen, den Eigentümer des Blattes, der wegen Sexismus-Vorwürfen stark in Bedrängnis geraten ist.

Plakate und Anti-Sexismus-Parolen vor der „Österreich“-Redaktion, die Polizei musste die Eingänge des Gebäudes sichern: Rund 500 Demonstranten protestierten gegen den Chef der Mediengruppe, den bekannten Verleger Wolfgang Fellner. Denn Belästigungsvorwürfe um den Medienmanager beschäftigen derzeit Gerichte und die Medienbranche. Fellner hatte 2019 seine TV-Moderatorin Raphaela Scharf fristlos entlassen, nachdem diese zuvor den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen ihn erhoben hatte. 

Erst vergangene Woche erhob auch Moderatorin Katia Wagner, ebenfalls früher für Fellner tätig, schwere Vorwürfe der sexuellen Belästigung. Wolfgang Fellner hat daraufhin sogar die Moderation seiner auf oe24.TV ausgestrahlten Talk-Sendung „FELLNER! LIVE“ abgegeben. Er wolle nun eine externe Beratungsfirma sämtliche Vorwürfe gegen ihn prüfen lassen, so Fellner. Der Anwalt der beiden Frauen, Michael Rami, reagierte bereits mit einem offenen Brief an die Beratungsfirma (siehe Tweet unten). 

Politiker wollen Fellner boykottieren
Mit seinem überraschenden Rückzug kam Fellner wohl auch einer geplanten gemeinsamen Erklärung von hochrangigen Politikerinnen zuvor, die ihm bis zur Ausräumung der Vorwürfe nicht länger für Interviews zur Verfügung stehen wollen. „Die Berichte von Raphaela Scharf und Katia Wagner über ihre Erfahrungen mit Wolfgang Fellner sind schockierend. Auch unabhängig von den einzelnen, konkreten Vorwürfen belegen bereits seine eigenen, öffentlich dokumentierten Aussagen unangemessenes Verhalten gegenüber Frauen“, steht in einer Erklärung, die unter anderem von SPÖ-Frauenchefin und -Vizeklubchefin Gabriele Heinisch-Hosek, Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer und NEOS-Vorsitzender Beate Meinl-Reisinger unterstützt wird.

Einigkeit unter allen Parteien
Grüne und NEOS wollen sich als gesamte Parteien an den Boykott halten. Dieser betreffe jedoch ausschließlich Fellner und nicht andere Journalisten des Mediums, da „wir als Politikerinnen und Politiker die Kontrollfunktion von Medien in einer Demokratie nicht beeinträchtigen wollen“, so die Erklärung.

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