10.05.2021 10:56 |

„Gibt keinen Zweifel“

US-Studie: Weit mehr Corona-Tote als angenommen

Die Johns-Hopkins-Universität in den USA weist aktuell (Stand Montag) fast 3,3 Millionen Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion aus. Die Dunkelziffer dahinter dürfte aber weit höher sein. Wie Forscher aus Washington nun mitteilten, dürften in vielen Ländern die Todesfälle nur sehr lückenhaft erfasst worden sein - global betrachtet könnte die tatsächliche Anzahl doppelt so hoch sein wie angenommen.

Gerade bei älteren Menschen seien die Aufzeichnungen mangelhaft, wie die Wissenschaftler der Medizinischen Universität Washington erklärten. Als konkretes Beispiel nannten sie Indien, wo die Weltgesundheitsorganisation etwa 230.000 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 registriert hat. Dort gehen die Forschenden sogar davon aus, dass es tatsächlich dreimal so viele sind.

Überdurchschnittlich viele verstorben
Grundlage für ihre Annahme ist die Übersterblichkeit. Dabei wird berechnet, wie viele Menschen in einem Zeitraum mehr gestorben sind als statistisch gesehen zu erwarten war. Die Forschenden haben auch berücksichtigt, dass andere Todesursachen in einer Pandemie zurückgehen, weil es zum Beispiel weniger Verkehrsunfälle gibt.

USA trauriger Spitzenreiter
Wie die Auswertung der Daten zeigt, haben weltweit die Vereinigten Staaten nach wie vor die höchste Todesrate. Demnach dürften etwa 905.000 Menschen in den USA mit oder an dem Coronavirus verstorben sein - offiziell ausgewiesen sind jedoch nur 574.043 Fälle. „So schrecklich die Pandemie auch erscheint, die Analyse zeigt, dass die tatsächlichen Zahlen noch erheblich schlechter sind“, erklärt Chris Murray, Autor der Studie.

Es gebe „keinen Zweifel daran, dass die Zahl der von Covid getöteten Amerikaner viel höher ist als offiziell berichtet“, erklärte der führende US-Virologe Anthony Fauci. Er selbst habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass man laufend zu wenig Fälle gezählt habe, die nun vorgelegten Zahlen würden aber sogar über seinen Schätzungen liegen.

Teils massive Unterschiede
Besonders drastisch weichen die offiziellen Zahlen in Kasachstan ab: Der offiziellen Todeszahl mit 5620 steht die Annahme von tatsächlich wohl 81.696 Fällen gegenüber. Für Deutschland haben die Forschenden mehr als 120.000 Todesfälle (offiziell 83.256) berechnet. Österreich ist in der Statistik nicht aufgeführt - bislang vermeldeten die Behörden hierzulande 10.392 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus, die tatsächliche Zahl dürfte aber auch hierzulande darüber liegen.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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