Kennzeichnungspflicht

Mehr Transparenz in der Gastronomie gefordert

Die Österreicher wollen endlich wieder ins Wirtshaus gehen. Und „Krone“-Leser wollen auch wissen, woher das Schnitzel kommt!

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Endlich wieder richtig gut essen gehen und sich verwöhnen lassen – das steht auf der „Nach-Corona-Wunschliste“ vieler Menschen ganz oben. Allein beim Gedanken an Wiener Schnitzel, Tafelspitz oder Kaiserschmarren läuft so manchem das Wasser im Mund zusammen. Unsere Gastronomen stehen in den Startlöchern, um nach der langen Auszeit wieder Gäste verwöhnen zu können und zu dürfen. Die Vielfalt unserer Wirtshäuser und Restaurants ist auch legendär.

Kennzeichnung ist keine Pflicht
Lockt der eine mit asiatischen Gerichten oder italienischen Schmankerln, so setzt der andere auf Regionalität. Und gerade die wurde in der Zeit der Pandemie für viele Konsumenten immer wichtiger. Viele Österreicher wollen wissen, woher das Fleisch kommt, das auf ihren Tellern liegt. Denn noch fehlt eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie.

Selbst ein traditionelles Wirtshaus serviert mit ziemlicher Sicherheit ein Backhendl, das weder in Österreich geboren, gemästet noch geschlachtet wurde. Denn 90 Prozent (!) des Hühnerfleisches in der Gastronomie (dazu zählen Gasthäuser genauso wie Gemeinschaftsverpflegungen) werden importiert. Nicht viel besser sieht es bei dem wohl berühmtesten heimischen Gericht aus: Nur jedes vierte Wiener Schnitzel hat seinen Ursprung in Österreich!

Corona hat auch und insbesondere die Gastronomie gebeutelt. Und niemand will den Wirten jetzt das Leben noch schwerer machen. Aber der Konsument fordert sein Recht auf Aufklärung und eine entsprechende Kennzeichnung in der Speisekarte: „Wenn ich für etwas bezahle, dann will ich auch wissen, woher es kommt“, so ein „Krone“-Leser. Selbstverständlich kann jeder Wirt weiterhin seine Produkte beziehen, wo er will — es geht nur um Transparenz. Der Aufwand für die Wirte ist überschaubar - und steht in keinem Verhältnis zur Kennzeichnung der Allergene.

Auch der neue Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein unterstützt diese Forderung nach einer Herkunftskennzeichnung: „Die Konsumenten haben ein Recht zu erfahren, woher die Lebensmittel kommen.“ Und Mückstein fügt hinzu: Das ist auch eine große Chance für unsere heimischen Produzenten mit ihren regionalen Produkten.“∙ Damit spricht der Arzt und Politiker vielen Menschen aus der Seele. Vielen Menschen geht es dabei auch darum, sinnlose Tiertransporte zu verhindern. Je mehr Fleisch importiert wird, desto mehr Tiere leiden bei Transporten.

Zitat Icon

Im Regierungsprogramm gibt es eine umfassende Lebensmittelkennzeichnung, und ich will und werde unsere Möglichkeiten maximal ausschöpfen.

Wolfgang Mückstein

Wir sind stolz auf unsere Bauern
Die Österreicher haben ein sehr positives Bild von den heimischen Landwirten. Mit der Corona-Krise wurde uns allen noch bewusster, wie wichtig, ja sogar überlebensnotwendig es ist, die Lebensmittelproduktion im eigenen Land zu haben. Eine neue Studie belegt nun auch, wie sehr die oft harte Arbeit unserer Landwirte in Österreich wertgeschätzt wird. 94 Prozent haben demnach ein positives Bild von den heimischen Bauern.

„Bauernsterben“ durch Preisdruck
Dennoch kämpfen diese täglich ums Überleben. Der enorme Preisdruck stellt viele Landwirte vor eine harte und endgültige Entscheidung: Täglich schließen zwölf Bauern für immer die Stalltüre. Tendenz steigend. Ein Grund für dieses „Bauernsterben“ ist, dass ihre Erzeugnisse, die sie unter hohen Standards produzieren, preislich mit den „Billig-Importen“ nicht mithalten können.

Eine Kennzeichnungspflicht auch in der Gastronomie würde massiv mithelfen, österreichische Lebensmittel wieder vermehrt im eigenen Land vermarkten zu können. Der Lebensmitteleinzelhandel setzt bereits vermehr auf regionale Produkte. „Nur wenn Bauern auch faire Preise für ihre guten Erzeugnisse erhalten, werden sie im internationalen Wettkampf eine Chance haben“, so Hannes Royer von Land schafft Leben.

Woher das Essen kommt, bleibt oft ein Geheimnis
Auch NGOs fordern seit Jahren eine Kennzeichnung von Lebensmitteln. Es geht um Konsumentenschutz, Tierwohl und Klimaschutz. Vier Pfoten, WWF, GLOBAL 2000 zählen zu den bekanntesten Organisationen und NGOs. Nun haben sie gemeinsam mit dem Verein „Land schafft Leben“ einen offenen Brief an Ministerin Elisabeth Köstinger verfasst. Darin fordern sie die Politikerin auf, sich endlich auch für eine Kennzeichnung in der Gastronomie starkzumachen. „Warum wollen Sie die Österreicher nicht wissen lassen, woher unser Essen kommt, und warum stehen Sie nicht hinter den Landwirten?“, war nur eine der Fragen.

Den gesamten Brief können Sie HIER nachlesen. Vier-Pfoten-Direktorin Eva Rosenberg kritisiert: „Die freiwillige Kennzeichnung in der Gastronomie funktioniert nicht. Denn gerade dort wird viel Fleisch aus dem Ausland eingekauft und, ohne dies zu wissen, von den Gästen konsumiert.“ Fix ist: Importiertes Fleisch ist billiger, weil die Tiere schlechter gehalten werden.

Maggie Entenfellner
Maggie Entenfellner
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