19.04.2021 09:00 |

Traurige Geduldsprobe

Warten auf Urnengrab: „Mama steht irgendwo herum“

Traurige Geduldsprobe für eine Tiroler Familie: Im November 2020 starb die Mutter eines Silzer „Krone“-Lesers. Die Angehörigen entschieden sich für eine Einäscherung - und warten noch immer auf ein Urnengrab und den endgültigen Abschluss. Grund ist die stark gestiegene Nachfrage nach Urnengräbern in der Corona-Krise.

Die Mutter eines Silzers ist vergangenen November verstorben, ihr Leichnam wurde eingeäschert. Die Urne steht seitdem beim Bestatter, eine Beerdigung hat noch nicht stattgefunden. An ihre letzte Ruhestätte kommt die Verstorbene wohl erst ein Jahr nach ihrem Tod, denn in Silz (Bezirk Imst) gibt es bis zum Herbst kein freies Urnengrab.

Kein Abschluss möglich
Der Sohn ist verzweifelt. „Meine Mama steht irgendwo herum. So kann man keinen Schlussstrich ziehen“, fasst er die traurige Situation zusammen. Außerdem seien viele Verwandte selbst schon betagt und wohnen weit weg: „Sie können sich vielleicht nicht mehr verabschieden, bevor sie selbst gehen.“ Als seine Mutter Anfang November starb, gab es am Friedhof beim Anger-Kirchl – dem einzigen der beiden Silzer Friedhöfe mit Urnengräbern - noch einen freien Platz, der mittlerweile aber auch schon belegt ist.

Alternativen scheiterten
Allerdings war dieses ein Familien-Urnengrab für sechs Personen. Da der Großteil der Familie nicht in Silz lebt, war das keine Option. Stattdessen hätte die Urne in der Zwischenzeit in ein Erdgrab auf einem der beiden Friedhöfe gegeben werden können. Auch das wollte die Familie aus privaten Gründen nicht.

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Mir tut es für die Familie leid. Seit der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Urnengräbern rasant gestiegen. Wir haben aber gehandelt und suchen ein Bauunternehmen für die Errichtung von Gräbern.

Bürgermeister Helmut Dablander

„Familie tut mir leid“
„Mir tut das für die Familie leid“, sagt der Silzer Bürgermeister Helmut Dablander. Seit der Corona-Krise sei die Nachfrage nach Urnengräbern rasant gestiegen. „Dann haben wir aber sofort gehandelt“, erklärt er. Derzeit laufe die Suche nach einem Bauunternehmen, das die von einem Architekten geplanten Gräber verwirklichen könne. Durch die Corona-Krise hat sich das Projekt außerdem verzögert, erzählt Petra Oberhofer, die für Friedhofsangelegenheiten in der Gemeinde zuständig ist.

Gräber zu Allerheiligen
Laut dem Protokoll der Gemeinderatssitzung im Februar ist die neue Urnenmauer beim Anger-Kirchl im Westen des Friedhofs geplant. Dafür muss eine Thujenhecke weichen. Nordwestlich sollen Urnenplätze für Konfessionslose entstehen. Außerdem wird eine Bronzestatue für den Gedenkort der Sternenkinder aufgestellt werden. Im Protokoll wird auch erwähnt, dass derzeit zwei Familien auf ein Urnengrab warten. Der Bürgermeister pochte auf eine Fertigstellung des Projekts bis Allerheiligen 2021.

Melina Mitternöckler, Kronen Zeitung

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