29.12.2010 16:31 |

Offizieller Bericht

Sektenszene in Österreich immer unübersichtlicher

Die "weltanschauliche Landschaft" Österreichs wird immer bunter und zugleich schwerer überschaubar. Zu diesem Befund kommt der Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen für die Jahre 2008 und 2009, der nun dem Parlament übermittelt wurde. Demnach war die Zahl der Kontakte und Anfragen im Vergleich zu den Vorjahren stabil, die Anzahl der "thematisierten Gruppen" ist aber auf einen neuen Höchstwert gestiegen.

Im Ranking der am häufigsten angefragten Gemeinschaften führte in beiden Berichtsjahren Scientology (2008 254-mal, 2009 140-mal thematisiert). Auf Platz zwei rangierten 2008 die Zeugen Jehovas, 2009 landeten sie auf Platz drei; hier weist die Bundesstelle allerdings auf die gesetzliche Anerkennung der Zeugen als Religionsgemeinschaft mit Mai 2009 hin, seitdem liegen diese nicht mehr ihrer Zuständigkeit. Auch satanische und esoterische Gruppen waren häufig Gegenstand von Anfragen.

Die hohe Zahl der angefragten Gruppierungen macht nach Ansicht der Bundesstelle die "Vielfalt der religiösen und weltanschaulichen Landschaft Österreichs deutlich". In den Berichtsjahren habe sich ein "Trend bestätigt, der bereits seit einigen Jahren zu beobachten ist". Die Szene spalte sich "immer mehr in Organisationen, kleinere Gruppierungen, Bewegungen und Einzelanbieter". Dazu kämen Neugründungen und Umorientierungen bestehender Gruppen. "Insgesamt wird der Markt weiterhin zunehmend unüberschaubarer." Für die Arbeit der Bundesstelle bedeute das auch immer zeitintensivere Recherchen, weil man oft kaum Informationen über Gruppierungen oder Einzelanbieter habe.

Zahl der Anfragen in etwa gleichbleibend
In den Jahren 2008 und 2009 fanden insgesamt 5.440 und 5.344 sogenannte fachspezifische Kontakte mit 1.637 und 1.525 Personen statt, fasste die Parlamentskorrespondenz am Mittwoch den Bericht zusammen. Nachgefragt wurden 2008 324 Gruppierungen, 2009 339 Gruppierungen. Zum Vergleich: 2007 waren es 5.447 Kontakte und 320 Gruppierungen gewesen.

Zumeist wenden sich Privatpersonen an die Beratungsstelle; in je rund 600 Fällen wurde eine psychosozialen Beratung und Begleitung durchgeführt. Rund die Hälfte der Kontakte erfolgte schriftlich, vor allem via E-Mail. Mit Abstand die meisten Kontaktpersonen gaben als Wohnort Wien an.

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