25.03.2021 18:24 |

Breites Schaffen

Filmregisseur Bertrand Tavernier gestorben

Regisseur Bertrand Tavernier („Um Mitternacht“), einer der produktivsten Filmemacher Frankreichs, ist - einen Monat vor seinem 80. Geburtstag - im Alter von 79 Jahren gestorben. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag unter Berufung auf das Institut Lumière, das sich auf die Verbreitung und Erhaltung des französischen Filmerbes konzentriert.

Krimis, Psychothriller, Historienfilme, Science-Fiction, Romanzen und Satire: Taverniers Schaffen war weit gespannt. Der in Lyon geborene Regisseur gehörte zu den produktivsten Filmemachern Frankreichs, seine Filmografie umfasst rund 50 Titeln. Bekannt sind seine Streifen auch für eine komplexe Kamerabewegung und für die unerwarteten Nahaufnahmen.

Zu den zahlreichen Filmen Taverniers zählt das eindrucksvolle Psychodrama „Der Richter und der Mörder“ mit Isabelle Huppert, der Science-Fiction-Film „Der gekaufte Tod“ mit Romy Schneider und Harvey Keitel oder „Der Lockvogel“, das schonungslose Porträt einer jungen Generation ohne Werte. Herbie Hancock erhielt einen Oscar für die beste Filmmusik für Taverniers Jazz-Film „Um Mitternacht“ (1986). Sein Film „Ein Sonntag auf dem Lande“ aus dem Jahr 1984 brachte ihm den Preis für die beste Regie bei den Filmfestspielen in Cannes ein.

Jean-Luc Douin, sein Biograf, beschreibt Tavernier als Mann mit vielen Interessen und Eigenschaften. Dazu zählten Geduld und Diskretion. Über sich selbst sagte Tavernier einmal: „Ich nehme mir bei meinen Filmen viel Zeit und bringe viel Geduld auf. Ich stehle nicht einfach Bilder und fahre dann wieder heim.“

„Dass ich in keine Kategorie passe, gefällt mir“
„Ich beleuchte Themen, Universen, Epochen und verschiedene Länder, um die Wahrheit zu erfassen. Dass ich in keine Kategorie passe, gefällt mir“, sagte Tavernier vor seinem 75. Geburtstag in einem Interview. Er wolle nicht als eingebildet erscheinen, doch glaube er, dass darin seine Stärke liege.

Tavernier galt als anspruchsvoll, nicht nur seinen Filmen gegenüber. Zusammen mit Volker Schlöndorff hatte er das Lycée Henri IV in Paris besucht, das angesehenste Gymnasium in Frankreich. Er studierte zunächst Rechtswissenschaft, bevor er über das Schreiben von Filmkritiken zur Regie fand. Drehen sei wie eine Therapie, hat er einst gesagt.

Goldener Ehrenlöwe für sein Lebenswerk
Für sein umfassendes Repertoire erhielt der französische Filmemacher 2015 beim Filmfest in Venedig den Goldenen Ehrenlöwen (Bild oben) für sein Lebenswerk. Die Jury bezeichnete ihn damals als nonkonformistischen und couragierten vielseitigen Autor.

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