25.03.2021 11:56 |

Pull-Faktor Impfung

Im Vorjahr 30 Prozent mehr Schlepper festgenommen

311 Schlepper sind im Vorjahr in Österreich festgenommen worden - das sind um 30 Prozent mehr als im Jahr davor und der höchste Wert in den vergangenen fünf Jahren, wie am Donnerstag bei der Präsentation des Schlepperberichts bekannt gegeben wurde. Insgesamt wurden 2020 demnach 21.641 Personen aufgegriffen. Neben Österreich sind vor allem die Balkanstaaten von der Zunahme der illegalen Einwanderung betroffen. Die Schlepper nutzen oft die Angst vor Corona aus, die Impfung wird zu einem Pull-Faktor.

Die Corona-Pandemie hat die illegale Einwanderung nach Österreich im Vorjahr stark ansteigen lassen -  und die Schlepper nutzen die Angst vor der Krankheit auch aus: Laut einem Insider wurde den Geschleppten versprochen, sie würden in Zentraleuropa schneller zu einer Corona-Impfung kommen. Außerdem wurden FFP2-Masken - zusätzlich zu den hohen Kosten der Schleppung - für 50 Euro an die Migranten verkauft.

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Mehr Schlepper festzunehmen bedeutet vor allem akribische und nachhaltige Polizeiarbeit - vor allem durch internationale Vernetzung.

Innenminister Karl Nehammer

Anzahl der Geschleppten verdoppelte sich
Im Jahr 2020 wurden exakt 21.641 Personen in Österreich aufgegriffen - was einen Anstieg von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2019: 19.274 Personen) bedeutet. Es waren um rund 400 mehr als 2018, aber noch immer deutlich weniger als in den Jahren 2012 bis 2017 mit dem Höhepunkt 2015, als mehr als 94.000 Menschen illegal in Österreich aufgegriffen wurden.

Rechtswidrig waren 16.498 nach Österreich eingereist (2019: 16.554). Die Anzahl der überführten Schlepper ist 2020 um etwa ein Drittel auf 311 Schlepper gestiegen (2019: 242) - das ist der höchste Wert seit fünf Jahren. Die Anzahl an geschleppten Personen hat sich mit 4842 beinahe verdoppelt (2019: 2469).

Österreich gilt als das „erste reiche Land in der Union“
Brigadier Gerald Tatzgern, der Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung unter anderem der Schlepperkriminalität im Bundeskriminalamt, verwies bei der Pressekonferenz am Donnerstagvormittag darauf, dass Österreich bei den Geschleppten oft als das „erste reiche Land in der Union“ gilt. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sagte, die Schlepper wüssten Österreich als Zielland „mittlerweile gut zu verkaufen“. 

Doch auch die Westbalkanstaaten dürften nicht alleinegelassen werden, und die Zusammenarbeit mit diesen Staaten funktioniere „hervorragend“. Im April werde er eine Westbalkanreise unternehmen, um über neue Maßnahmen gegen die organisierte Schlepperei zu beraten. Es sei auch wichtig, bereits in Bosnien zu beginnen, auf jene Migranten, die keine Aussicht auf ein Bleiberecht in der EU haben, „einzuwirken“, dass sie die Rückreise antreten, „sie dabei zu begleiten und zu unterstützen“. Dazu seien bereits mehrere Initiativen von Österreich mit der EU gestartet worden.

Schlepper meistens jung und männlich
Nehammer betonte, dass es sich bei der Schlepperei um einen Geschäftszweig der Organisierten Kriminalität handelt. Die Täter kamen im vergangenen Jahr aus Syrien (60), Österreich (37), Irak (28), Rumänien (22) und der Türkei (18). Schlepper aus diesen Staaten machten mehr als die Hälfte aus, der Rest verteilte sich auf andere Staaten. 91 Prozent der Schlepper waren männlich, mehr als 60 Prozent zwischen 21 und 40 Jahre alt.

Durch die Einschränkungen im Personenverkehr im Vorjahr hätten die Schlepper bald ihre Mittel und Wege umgestellt, Personen illegal über Grenzen zu bringen, sagte Tatzgern. Der Pkw, früher gern genutztes Transportmittel der Schlepper, war out. „Sie haben sehr schnell auf den Güterverkehr umgestellt.“ Die Summen, welche die Schlepper ihren Kunden abnehmen, sind ausgesprochen unterschiedlich: Tatzgern berichtete von Schleppungen um 200 bis 300 Euro, aber auch um 2000 bis 3000 Euro.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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