16.03.2021 14:06 |

Mehr Sprengköpfe

Briten vergrößern ihr Atomwaffenarsenal

Großbritannien will seiner Außen- und Verteidigungspolitik eine neue strategische Ausrichtung verpassen. Ein Teil davon ist im Bericht mit dem Titel „Integrated Review“ der Regierung zufolge auch die Vergrößerung des Atomwaffenarsenals. Die Zahl der nuklearen Sprengköpfe soll von 180 auf 260 erhöht werden. Die Kampagne zur nuklearen Abrüstung (CND) zeigte sich am Dienstag schockiert.

„Wir wollen nicht mehr Nuklearwaffen. Wir wollen gar keine“, erklärte die CND, nachdem Einzelheiten aus dem Bericht bereits zuvor in Medien durchgesickert waren. Die Geschäftsführerin der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican), Beatrice Fihn, warf der Regierung in London vor, ein „neues atomares Wettrüsten“ zu befeuern.

Außenminister: „Brauchen Mindestmaß an atomarer Abschreckung“
Der britische Außenminister Dominic Raab rechtfertigte die Atomabschreckung in der BBC, ohne zunächst auf Einzelheiten des Berichts einzugehen. Großbritannien brauche „ein Mindestmaß glaubwürdiger atomarer Abschreckung“, sagte Raab dem Sender. Atomwaffen seien „die ultimative Absicherung“ gegen Bedrohungen durch feindliche Staaten, fügte er hinzu. In dem Bericht soll Russland als „aktive Bedrohung“ eingestuft sein, China hingegen eher als System-Herausforderung.

Premier Boris Johnson hob eine 2010 beschlossen Deckelung von maximal 180 Atomsprengköpfen auf und erhöhte sie auf 260. Die Sprengköpfe sollen zudem durch neuere ersetzt werden. Einige Staaten steigerten und veränderten ihr Atomwaffenarsenal deutlich. „Der schärfere globale Wettbewerb, Herausforderungen die internationale Ordnung betreffend und die Ausbreitung von möglicherweise zerstörerischen Technologien sind alles Gefahren für die Stabilität“, heißt es in dem Strategiepapier. Die Sicherheit des Landes müsse aber gewährleistet werden.

Anzahl der nuklearen Sprengköpfe ist nicht bekannt
Wie viele Sprengköpfe Großbritannien derzeit besitzt, ist offiziell nicht bekannt. Daher ist nicht klar, ob Großbritannien sein Arsenal tatsächlich vergrößern oder nur weniger reduzieren will als bisher geplant. Die Vereinigung Amerikanischer Wissenschafter FAS beziffert das britische Arsenal (Stand 2020) auf 195, von denen 120 einsatzfähig stationiert sind. Ein Regierungssprecher betonte, die Verpflichtungen Großbritanniens aus dem Atomwaffensperrvertrag würden von der Anpassung nicht berührt.

Das britische Trident-Atomprogramm ist in Großbritannien umstritten. Angesichts der weltweiten Abrüstungsbestrebungen seit dem Ende des Kalten Krieges wurde immer wieder gefordert, es abzuschaffen. Zu den Gegnern gehört die oppositionelle Labour-Partei sowie die Schottische Nationalpartei (SNP). Großbritanniens Atom-U-Boot-Flotte ist in Westschottland stationiert.

Stärkere Ausrichtung nach Asien und auf den Pazifikraum
London will sich zudem geopolitisch stärker nach Asien und zum Pazifikraum ausrichten. Bis 2030 rechnet die britische Regierung demnach mit einer weiteren Entwicklung zu einer multipolaren Welt und einer Verlagerung des Schwerpunkts in den indopazifischen Raum.

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